Schlussverkauf in Frankreich

In Frankreich gibt es ihn noch offiziell: den Schlussverkauf (Französisch soldes). Zweimal im Jahr findet die gesetzlich geregelte, mehrwöchige Schnäppchenjagd statt. Das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz gibt Tipps für das Shoppen im Nachbarland.

Sommerschlussverkauf in Frankreich 2021

Der Sommerschlussverkauf in Frankreich beginnt aufgrund der Corona-Krise erst am Mittwoch, den 30. Juni 2021 und nicht wie geplant am Mittwoch, den 23. Juni 2021. Der Schlussverkauf dauert 4 Wochen, bis einschließlich Dienstag, 27. Juli 2021. Der gleiche Zeitraum gilt für den Online-Verkauf.

Frankreich sind seit dem 19. Mai u. a. wieder Geschäfte und die Außengastronomie geöffnet (eine Anmeldung oder ein negativer Corona-Test wird nicht verlangt). 

Für die Einreise nach Frankreich gilt aber: Personen über 11 Jahren, deren Zielort in Frankreich weiter als 30 Kilometer von ihrem Wohnsitz in Deutschland entfernt liegt, benötigen bei Einreise einen negativen PCR-Test (nicht älter als 72 Stunden). Zusätzlich muss eine Bescheinigung mitgeführt werden mit der bestätigt wird, dass Sie in den letzten 48 Stunden keine Corona-Symptome hatten und in den vergangenen zwei Wochen nicht in Kontakt mit infizierten Personen standen.

Mehr Informationen in unserem Artikel "Coronavirus in der Grenzregion: FAQs für Verbraucher"

Während des französischen Schlussverkaufs dürfen Händler Ware für weniger als den Einkaufspreis verkaufen. Der Winterschlussverkauf beginnt meist im Januar, der Sommerschlussverkauf im Juni. Jedes Jahr wird ein Datum für ganz Frankreich festgelegt, ein paar Départements weichen davon ab. Einen Überblick verschafft die Internetseite der Generaldirektion für Verbraucherschutz (DGCCRF) (Link auf Französisch) beim französischen Wirtschaftsministerium in Paris.

Außerhalb des offiziellen Sommer- und Winterschlussverkaufs dürfen Ladenbesitzer weitere Räumungsverkäufe veranstalten, jedoch nicht unter dem Begriff soldes. Außerdem dürfen sie dann nicht unter dem Einkaufspreis weiterverkaufen.

Gewährleistung in Frankreich: Was, wenn mein Artikel kaputt ist?

Genau wie bei regulären Produkten haben Sie als Kunde auch bei reduzierten Artikeln einen Anspruch auf Gewährleistung. Sie kaufen während des Schlussverkaufs in Frankreich z. B. ein Gerät und bemerken erst zu Hause, dass es kaputt ist, ein Teil fehlt oder sie das falsche bekommen haben. Dann haben Sie die Wahl und können die Reparatur oder den Austausch fordern. Lassen Sie sich von einem Verkäufer, der anderes behauptet, nicht beirren!

Eine Ausnahme ist zu beachten: War der Mangel schon beim Kauf der Ware äußerlich erkennbar, z.B. ein Kratzer auf dem Handydisplay, können Sie keinen Umtausch oder Erstattung des Preises fordern.

Mehr zum Thema finden Sie in unserem Artikel "Umtauschen und Reklamieren in Frankreich".

Gut zu wissen: Das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz empfiehlt, Ware vor dem Kauf auf Fehler zu prüfen und den Kassenbon aufzubewahren.

Gesetzliche Gewährleistung: Beweislastumkehr in Frankreich und Deutschland

Die Rechte aus der gesetzlichen Gewährleistung gelten nicht nur in Frankreich. In der gesamten Europäischen Union, also auch in Deutschland, profitieren Verbraucher von zwei Jahren gesetzlicher Gewährleistung ab Erhalt der Ware. Voraussetzung ist, dass der Fehler schon bei Übergabe der Ware vorhanden gewesen sein muss. In Frankreich wird die gesamten zwei Jahre lang davon ausgegangen, dass diese Voraussetzung erfüllt ist. Kundenmüssen dies also nicht erst beweisen. In Deutschland gilt diese Vermutung (Beweislastumkehr) nur in den ersten sechs Monaten.

Umtauschen und Zurückgeben in Frankreich: Was, wenn der Artikel mir nicht mehr gefällt?

Reklamieren können Sie also dann, wenn Ihr Artikel einen Mangel hat. Doch was ist, wenn das Produkt Ihnen nicht mehr gefällt und Sie es deshalb umtauschen möchten? Geschäfte sind dann nicht verpflichtet, Ihre Ware zurückzunehmen. Einige Bekleidungsläden nehmen Artikel üblicherweise aus Kulanz zurück, gegen Vorlage des Kassenbons. Achtung, gerade während der soldes nehmen einige von diesem Service wieder Abstand und schließen die Schlussverkaufsware vom Umtausch aus. Das ist zu erkennen an einem Zusatz wie etwa ni repris ni échangé, der im Laden ausgehängt wird oder auf dem Kassenzettel steht.

Wer nicht im Laden, sondern online einkauft, hat überall in der EU die Möglichkeit, innerhalb von 14 Tagen die Meinung zu ändern und das Produkt ohne Angabe von Gründen zurückzuschicken. Kunden müssen diesen Widerruf schriftlich erklären, etwa per E-Mail.

Ausführliche Informationen zum Thema Widerruf beim Onlinekauf stellt das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland bereit.

Preisangaben: Woher weiß ich, dass es sich wirklich um ein Schnäppchen handelt?

Das Preisschild muss den alten und den neuen Preis angeben. Der alte ist der niedrigste, den die Ware in den 30 Tagen vor Beginn des Schlussverkaufs hatte. Dieser Preis muss auf dem Etikett durchgestrichen sein. Außerdem muss die Differenz der beiden Preise, also die Ermäßigung, erkennbar sein.

Damit Schlussverkaufsware deutlich von der nicht-reduzierten Ware zu unterscheiden ist, muss die preisreduzierte Ware entweder den Hinweis soldes tragen oder es muss etwa am Regal darauf hingewiesen werden, dass auf alle Artikel zum Beispiel 10 % Nachlass gewährt wird.

Tipps für Ihre Shoppingtour in Frankreich

  • Bewahren Sie Ihre Kassenzettel auf. Sie dienen als Beleg, falls Sie defekte Ware reklamieren möchten
  • Sie haben kein generelles Recht auf Umtausch. Viele französische Händler bieten das, genau wie deutsche, aus Kulanz an. Gerade Schlussverkaufsware kann von diesem Service ausgenommen werden. Informieren Sie sich vor dem Kauf, ob Sie Artikel umtauschen dürfen
  • Beim Onlineshopping dagegen haben Sie ein 14-tägiges Widerrufsrecht, falls Sie Ihre Meinung ändern und das Produkt doch nicht haben möchten
  • Bei Zweifel am tatsächlichen Preisnachlass: Fragen Sie bei einem Verkäufer nach
  • Achten Sie auf das Preis-Leistungs-Verhältnis