Lebensmittelverschwendung in Frankreich

Wie handhabt es Frankreich mit der Lebensmittelverschwendung? Wer verursacht sie und wie wird das Problem angegangen?

Das ZEV wirft einen Blick auf die Situation in Deutschland und Frankreich und gibt Tipps, wie die eigene Verschwendung reduziert werden kann.​​​​

Frankreich produziert laut französischem Umweltministerium jährlich 10 Millionen Tonnen an Lebensmittelabfällen, in Deutschland sind es nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft 12 Tonnen, die jährlich weggeworfen werden.

Die größten Unterschiede lassen sich bei Endverbrauchern feststellen: in deutschen Haushalten landen jährlich pro Kopf 75 Kilogramm (kg) an Lebensmitteln in der Tonne, in Frankreich sind es 30 kg pro Person.

FAQ: Anti-Wegwerf-Gesetz in Frankreich

Sowohl in Frankreich als auch in Deutschland verschwenden Endverbraucher die meisten Lebensmittel.

Laut einer französischen Studie aus dem Jahr 2016 stammten in Frankreich ein Drittel der gesamten Lebensmittelabfälle vom Konsumenten.

Die restlichen zwei Drittel verursachten Lebensmittelproduzenten (32 Prozent), Verarbeiter (21 Prozent) und der Handel (14 Prozent). In Deutschland sind Verbraucher sogar für mehr als die Hälfte aller weggeworfenen Lebensmittel verantwortlich.

Überraschend: Franzosen werfen jährlich 7 kg an frisch verpackten Nahrungsmitteln weg.

Frankreich hat 2013 als erstes europäisches Land ein Gesetz auf den Weg gebracht, um gegen Lebensmittelverschwendung vorzugehen. Deutschland hat sich dabei mehr Zeit genommen und das Problem erst später erkannt.

Unsere Nachbarn haben sich als Ziel gesetzt, die Lebensmittelabfälle der Haushalte, der Produktion, der Weiterverarbeitung und der gewerblichen Gastronomie bis 2030 zu halbieren.

In Deutschland wird ein ähnliches Zielfür 2030angestrebt, allerdings nur auf Einzelhandels- und Verbraucherebene. Bei der Produktion und den Lieferketten ist in Deutschland lediglich von einer „Verringerung“ der Lebensmittelabfälle die Rede.

Der grundlegende Unterschied liegt darin, dass die politischen Maßnahmen in Deutschland Empfehlungen sind und auf freiwilliger Basis beruhen. nIn Frankreich dagegen sind sie rechtskräftig.

Schon im jungen Alter werden französische Kinder in Schulen auf die Problematik der Lebensmittelverschwendung aufmerksam gemacht und viele Programme wurden bereits eingeführt. Im Grenzgebiet bemüht sich beispielsweise Strasbourg Initiation Nature Environment (kurz SINE)  darum, Schüler zu sensibilisieren.

Des Weiteren empfiehlt das französische Umweltministerium den Konsumenten, die Kühlkette ihrer Einkäufe zu beachten, zu große und impulsive Einkäufe zu vermeiden und das Verbrauchsdatum richtig zu deuten.

Bedeutet: Lebensmittel auch noch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums zu verwenden, sofern die Genießbarkeit gegeben ist.

Alles in allem wird somit weniger verschwendet und Verbraucher hätten am Ende des Jahres ungefähr 100 Euro mehr im Geldbeutel!

Nein! Ein wichtiges französisches Gesetz (la "Loi Garot") ist 2016 in Kraftgetreten und hat konkrete Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung eingeführt.

Darunter ist eine Anordnung, die es den großen Einzelhändlern und Supermärkten verbietet, nicht verkaufte Lebensmittel unbrauchbar zu machen.

Vielmehr sollen verbleibende Nahrungsmittel an soziale Einrichtungen gespendet werden. 2018 wurde das Gesetz auf die gesamte Gastronomie und weitere Branchen ausgeweitet.

Wer sich nicht daran hält, kann mit einer Strafe von bis zu 0,1 Prozent des Umsatzes sanktioniert werden.

In Deutschland dürfen Großhändler und Supermärkte weiterhin Lebensmittel unbrauchbar machen oder wegwerfen.

Im Gegenzug werden diejenigen bestraft, die versuchen, sich in den Müllcontainern der Großhändler zu bedienen (rechtlich gesehen handelt es hierbei um einen Diebstahl).

Die Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ fordert, dass das französische Modell hierzulande übernommen und das Spenden von brauchbaren Lebensmitteln zur Pflicht wird.

Bisher ist die Lebensmittelspende in Deutschland noch freiwillig.

Die Antwort ist ein eindeutiges: Ja!

Seit Juli 2021 sind französische Gastronomen dazu verpflichtet, Doogybags anzubieten.

In Frankreich haben Privatpersonen die Möglichkeit, nicht verkaufte Lebensmittel für einen geringen Preis oder kostenlos in Supermärkten und Restaurants abzuholen.

Hierzu gibt es unter anderem folgende Apps:

  • Too Good To Go,
  • OptiMiam,
  • Zéro-Gâchis.

Französische Verbraucher werden zu einem bewussten Umgang mit Lebensmitteln angehalten und dazu aufgefordert, die Verschwendung so gering wie möglich zu halten – sei es in der Mensa, im Restaurant oder eben zu Hause.

Folgende Begrifflichkeiten sind in Frankreich zu unterscheiden: 

  • „Date de durabilité minimale“: hierbei handelt es sich um das Mindestdatum, bis zu dem sich Konsistenz, Farbe und Geschmack des Nahrungsmittels verändern könnten, ohne dass es gesundheitsgefährdend ist. Nach diesem Datum kann das Produkt noch konsumiert werden, wenn es gut gelagert wurde. Das deutsche Pendant dazu wäre das Mindesthaltbarkeitsdatum.

  • „Date limite de consommation“: nach diesem Datum sollte das Nahrungsmittel nicht mehr konsumiert werden, da es zum Verzehr nicht mehr geeignet ist. In Deutschland spricht man vom Verbrauchsdatum. Diese Angabe betrifft primär frische und leicht verderbliche Ware wie Fleisch oder Fisch.