Mehr Nachhaltigkeit in Frankreich: Elektrogeräte nach Reparatur-Freundlichkeit auswählen

In Frankreich zeigt ein sogenannter Reparatur-Index an, wie gut sich bestimmte Elektrogeräte reparieren lassen.

Verbraucherinnen und Verbraucher erhalten so schon beim Kauf die Möglichkeit, sei es im Laden oder im Online-Shop, die Reparatur-Freundlichkeit von Produkten zu vergleichen.

Neu gekaufte Elektrogeräte sollten möglichst lange halten und im Falle eines Defekts problemlos repariert werden können. Der Nachhaltigkeitsgedanke spielt beim Einkauf vieler Kunden eine immer größere Rolle.

Dies hat auch Frankreich erkannt. Im Rahmen eines Gesetzes zur Abfallbekämpfung und Kreislaufwirtschaft hat der Staat die Hersteller von elektronischen Geräten dazu verpflichtet, Angaben darüber zu machen, wie leicht ein Produkt repariert werden kann.

Der sogenannte Reparatur-Index (l’indice de réparabilité) gilt seit 1. Januar 2021 für folgende Neuwaren:

  • Smartphone
  • Laptop
  • Fernseher
  • Waschmaschine (Frontlader)
  • elektrischer Rasenmäher


Seit dem 4. November 2022 ist er auch für folgende neu verkaufte Produkte verpflichtend:

  • Waschmaschine (Toplader)
  • Geschirrspüler
  • Staubsauger (mit Kabel, kabellos, Saugroboter)
  • Hochdruckreiniger

Wie wird der Reparatur-Index eines Produktes berechnet?

Ein offizieller Kriterienkatalog dient dazu, die Reparaturfähigkeit eines Produktes richtig zu beurteilen.

Der Index berechnet sich aus folgenden fünf Kriterien:
 

  1. Dokumentation. Für die Bewertung wird die Dauer und die Art der zur Verfügung stehenden technischen Informationen herangezogen (z. B. Reparaturanleitung, technisches Handbuch, Merkblätter)
     
  2. Einfache Zerlegbarkeit / Demontage. Bei diesem Kriterium werden die Schritte bewertet, die nötig sind, um wichtige Teile auszutauschen. Und welches Werkzeug notwendig ist. 
     
  3. Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Wie lange Ersatzteile angefordert werden können und wie lange die Lieferung dauert.
     
  4. Ersatzteilpreis. Hier wird der Preis der Ersatzteile ins Verhältnis zum Neupreis des Produkts gesetzt.
     
  5. Andere produktspezifische Kritierien, zum Beispiel der Hersteller-Support oder die Verfügbarkeit von Software-Updates.
     

Anhand der Kriterien und den dazugehörigen Unterkriterien müssen Hersteller ihre Produkte selbst bewerten und Punkte vergeben.

Insgesamt kann ein Produkt aus den fünf Kriterien 100 Punkte erhalten. Die Punktezahl wird anschließend durch 10 geteilt. Das Ergebnis zwischen 1 und 10 ergibt den Reparatur-Index.

Um die Bewertung für Kunden gut lesbar zu machen, wurde ein Farbcode festgelegt.

Von einem kräftigen Rot für schlecht reparierbare Produkte bis zu einem dunklen Grün für Produkte, die leicht repariert werden können.

Die Bewertung muss von Verkäufern gut sichtbar an dem betroffenen Produkt angebracht werden. Die Schriftgröße darf dabei nicht kleiner sein, als die Schriftgröße auf den Preisschildern.

An die Regelungen müssen sich auch Online-Händler halten.

Seit 2022 werden Falschangaben bestraft.

Auch Bewertungstabellen mit einbeziehen

Verbraucher sollten sich beim Kauf eines Elektrogerätes aber nicht allein auf den ausgewiesenen Gesamtwert verlassen, sondern auch prüfen, wofür Punkte vergeben wurden.

Hierfür müssen Hersteller Bewertungstabellen zur Verfügung stellen.

Aus diesen wird unter anderem ersichtlich, wie lange Ersatzteile bestellt werden können, wie teuer diese sind und wie viele Arbeitsschritte nötig sind, um wichtige Teile (z. B. ein Akku) auszutauschen.

Eine Liste mit elektronischen Geräten, die bereits bewertet wurden, findet sich auf der Internetseite indicereparabilite.fr (auf Französisch) .

Zum Teil sind die Bewertungstabellen für Laien nicht leicht zu verstehen.

Eine gute deutsche Übersetzung des französischen Kriterienkatalogs bietet die Internetseite runder-tisch-reparatur.de

Bei Unklarheiten können sich Verbraucher auch an das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz e. V. wenden.

Was möchte Frankreich mit dem Reparatur-Index erreichen?

Zu den häufigsten Gründen, weshalb die Reparatur eines Produktes scheitert, gehören laut Experten fehlende Ersatzteile, zu teure Ersatzteile und fehlende Informationen.

Mit dem Reparatur-Index will Frankreich den ständigen Neukauf von Geräten verhindern und die Reparatur von Handys und Elektrogeräten vorantreiben.

Gleichzeitig soll der sogenannten geplanten Obsoleszenz, der künstlichen Produktalterung, ein Riegel vorgeschoben werden. Nach wie vor wird der Industrie vorgeworfen, die Lebensdauer von Produkten künstlich zu verkürzen und ihre Nutzungsdauer damit bewusst einzuschränken.

In Frankreich gilt die geplante Obsoleszenz als Täuschung, die mit bis zu zwei Jahren Haft und mit einer Geldstrafe von 300.000 Euro geahndet werden kann (Art. L 454-6 des Verbraucherschutzgesetzes).

Wie das französische Umweltministerium (Ministère de la Transition écologique) mitteilt, soll der Reparatur-Index bis 2024 zu einem Nachhaltigkeits-Index werden, der insbesondere neue Kriterien wie die Robustheit oder die Zuverlässigkeit der Produkte berücksichtigt.

Bis zu 45 Euro: Frankreich führt Reparaturbonus ein
 

Am 15. Dezember 2022 wird in Frankreich ein Reparaturbonus eingeführt, der Verbraucher dazu anregen soll, defekte Geräte reparieren zu lassen.

Die finanzielle Unterstützung gibt es für Elektro- und Elektronikgerät, die in Frankreich gekauft wurden und die nicht mehr von der gesetzlichen Gewährleistung oder der Garantie abgedeckt sind.

Der Bonus beträgt je nach Art des Gerätes zwischen 10 und 45 Euro, zum Beispiel 10 Euro für die Reparatur einer Filterkaffeemaschine und 45 Euro für die Reparatur eines Laptops.

Den Preisnachlass erhalten Verbraucher direkt bei einem der zugelassenen Reparaturwerkstätten (zu erkennen an dem Gütesiegel "QualiRépar“).

Eine Liste der förderfähigen Geräte und welche bis 2025 dazukommen gibt es auf der Internetseite ecosystem.eco (auf Französisch)

Ratschläge und hilfreiche Adressen, um Produkte reparieren zu lassen

Wer in unserem Nachbarland Alltagsgegenstände reparieren lassen möchte, kann über reparacteurs.artisanat.fr einen Reparatur-Service oder einen Techniker in seiner Nähe suchen.

Das Verzeichnis wurde von der Umweltagentur ADEME (Agence de la transition écologique) in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer CMA (Chambre de Métiers et de l'Artisanat) geschaffen.

Einen Fachmann, der Produkte repariert und recycelt finden Verbraucher auch auf longuevieauxobjets.gouv.fr. Die Internetseite bietet zudem Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Alltag an, z. B. wie man verantwortungsbewusst einkauft oder welche Gegenstände sich gut mit dem Nachbarn teilen lassen.

Alte Elektro- und Haushaltsgeräte sammeln, reparieren und zu erschwinglichen Preisen wiederverkaufen ist das Ziel von Envie. Das gemeinnützige Unternehmen hat in Frankreich 50 Verkaufsräume. Das Angebot wird von Bürgerinnen und Bürgern gerne genutzt.  

Defekte Ware reklamieren: So verbraucherfreundlich ist Frankreich

In der EU haben Verbraucherinnen und Verbraucher für Neuware ein gesetzliches Gewährleistungsrecht von zwei Jahren. Diese Frist gewährt Frankreich auch für Gebrauchtwaren.

Dies bedeutet, dass Verbraucher bei mangelhaften oder defekten Produkten zwei Jahre lang das Recht auf Umtausch oder Reparatur eingeräumt werden muss.

Und Frankreich geht darüber noch hinaus. Wenn der Kunde den Verkäufer um eine Reparatur bittet, verlängert sich die gesetzliche Gewährleistung um sechs Monate.

Entscheidet sich der Verkäufer jedoch für den Austausch des Produkts, obwohl der Kunde eine Reparatur wünscht, wird die gesetzliche Gewährleistung sogar um zwei Jahre verlängert.

Sollten weder Reparatur noch Austausch möglich sein, steht Verbrauchern eine Preisminderung zu. Alternativ kann die Ware zurückgeben und die Erstattung des Kaufpreises verlangt werden.

Und auch bei der Beweislastumkehr stehen Käufer in unserem Nachbarland besser da, als in vielen anderen Ländern. Denn für Neuware liegt die Beweislastumkehr in Frankreich bei zwei Jahren (in Deutschland nur bei einem Jahr).

Das heißt: Während der ersten zwei Jahre nach dem Kauf wird automatisch davon ausgegangen, dass ein Mangel schon zum Zeitpunkt des Kaufs bestand. Ist der Verkäufer andere Meinung, muss er beweisen können, dass der Defekt vom Kunden verursacht wurde.