Mit dem Elektroroller in der deutsch-französischen Grenzregion unterwegs

Seit dem 15. Juni 2019 gibt es in Deutschland mit der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung einen gesetzlichen Rahmen für E-Roller. In Frankreich boomt der Verkauf der schlanken Flitzer seit 2018.

Das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz e. V. (ZEV) erklärt, welche Regelungen in beiden Ländern gelten und vor allem: Warum deutsche E-Scooter in Frankreich fahren dürfen, anders herum jedoch nicht.

Warum deutsche E-Roller in Frankreich fahren dürfen, französische aber nicht in Deutschland

Der deutsche Gesetzgeber hat mit den Elektrokleinstfahrzeugen eine Fahrzeugklasse geschaffen, die neben den E-Scootern etwa Segways und Hoverboards umfasst. In der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung, die am 15. Juni 2019 in Kraft getreten ist, legt er fest: Elektroroller müssenüber eine Kfz-Haftpflichtversicherung samt Versicherungskennzeichen und eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) verfügen.

In diesem Zusammenhang wird Ihnen Ihr Versicherer eine sogenannte „Versicherungsplakette“ aushändigen, welche Sie als sichtbaren Ausweis der abgeschlossenen Versicherung an Ihrem Elektroroller anzubringen haben. Erst diese obligatorische Plakette erlaubt Ihnen das Befahren der deutschen Straßen.

Hinweis:

In Frankreich besteht ebenfalls eine Versicherungspflicht. Informieren Sie sich daher vor einem Grenzübertritt mit einem eigenen E-Roller bei Ihrem Versicherer, ob der Versicherungsschutz auch in Frankreich gewährleistet ist. So können Sie anschließend entspannt über den Rhein nach Frankreich fahren.

Anders herum gestaltet es sich schwieriger. Zwar könnte ein in Frankreich gekaufter Elektroroller eine Betriebserlaubniserhalten, wenn er den deutschen Baubestimmungen entspricht (zum Beispiel in Bezug auf die Bremsen).  Dies wäre mit Kosten verbunden, da der TÜV eine Einzelabnahme für das Gerät durchführen müsste. Erst mit einer Betriebserlaubnis könnte ein Fahrer eine Kfz-Haftpflichtversicherung überhaupt abschließen.

Ein französischer Versicherer wird jedoch keine für Deutschland geeignete Kfz-Versicherung anbieten können. E-Roller sind in Frankreich gar nicht als Kraftfahrzeuge definiert. Und selbst wenn, dann hätte der Roller immer noch kein Versicherungskennzeichen.

Deutsche Versicherer wiederum versichern in der Regel nur Fahrer mit Wohnsitz in Deutschland.

Das ZEV bedauert, dass es beim Fahren mit Elektrotretrollern keine einheitlichen Regelungen gibt und fordert eine europaweite Regelung.

Regelungen in Frankreich


Wo dürfen E-Roller fahren und parken?

In französischen Stadtgebieten müssen E-Roller auf Radwegen und Radfahrstreifen fahren oder, sollten keine vorhanden sein, auf die Fahrbahn ausweichen, wenn dort höchstens Tempolimit 50 herrscht. Nur in Ausnahmefällen dürfen sie auch auf Gehwegen und in Fußgängerzonen genutzt werden. In diesen besonderen Fällen darf jedoch nicht schneller als 6 km/h gefahren und überdies dürfen keine Fußgänger durch sie belästigt werden.

Außerhalb der Städte müssen Elektroroller auf den "voies vertes" (gemeinsamen Geh- und Radwegen) fahren. 

E-Roller dürfen in Frankreich nicht auf Gehwegen fahren. Sie dürfen dort allerdings bei ausgeschaltetem Motor geschoben werden. Fahrer dürfen ihren Roller auf dem Gehweg parken, wenn dadurch niemand behindert wird.

Ausnahme: Die Stadt Paris hat das Abstellen auf Gehwegen verboten. Hier riskiert man durch das Abstellen des E-Rollers eine Strafe von 49 €. Des Weiteren muss man für eventuelle Abschleppkosten aufkommen.

Helmpflicht, Mindestalter, Führerschein und Sonderregelungen in Frankreich
 

  • Mindestalter: 12 Jahre
  • Tempolimit: 25 km/h; Wichtig: Das Fahrzeug muss bauartbedingt auf diese Geschwindigkeit gedrosselt sein
  • es wird kein Führerschein verlangt
  • es besteht keine Helmpflicht; das Tragen eines solchen wird aber empfohlen
  • der Roller muss über eine Bremse verfügen
  • der Roller muss eine Klingel haben
  • der Roller muss mit einem Vorder- und Rücklicht, sowie mit Katzenaugen versehen sein
  • während des Fahrens dürfen keine Kopfhörer benutzt werden
  • nachts und bei schlechtem Licht muss eine Sicherheitsweste getragen werden

Bei einem Verstoß gegen diesen Regelungen kommt es zu einem Bußgeld über 11 € für fehlende effiziente Bremsen und über 35 € für fehlende Lichter oder eine fehlende Klingel.

Höhere Bußgelder in Frankreich

Wer in Frankreich schneller als 25 km/h fährt, riskiert ein sattes Bußgeld von bis zu 200 Euro. Das Fahren auf dem Gehsteig wird mit mindestens 135 Euro geahndet. Zum Vergleich: in Deutschland mit 15 Euro. Wer in Frankreich eine Verkehrsregel missachtet, muss mit mindestens 35 Euro rechnen.

Aktuelle Informationen zu den Regelungen für Elektrotretroller in Frankreich sind auf der Internetseite des französischen Umweltministeriums zu finden (Link auf Französisch).

Pressemitteilung:

Das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz e. V. hat am 13. Juni 2016 die Pressemitteilung "Deutsche E-Roller dürfen in Frankreich fahren, aber französische nicht in Deutschland" veröffentlicht.