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Autofahren in Frankreich

Sie hatten in Frankreich einen Autounfall? Sie wollen sich über das Templimit auf französischen Straßen informieren? Oder Sie wurden im Nachbarland geblitzt? Nachstehend erhalten Sie relevante Informationen über das Autofahren in Frankreich.

Deutsche Autofahrer, die in Frankreich geblitzt werden, müssen damit rechnen, Post von den französischen Behörden zu bekommen. Die Bußgelder sind im Vergleich zu Deutschland hoch. Hier finden Sie Antworten zu häufig gestellten Fragen zum Thema Knöllchen in Frankreich.

 

Handelt es sich um einen Fake?

Auch deutsche Autofahrer erhalten Bußgeldbescheide aus Frankreich. Viele fragen sich, ob es sich hierbei um ein offizielles Schreiben oder um einen Betrugsversuch handelt.

Hier das Beispiel eines französischen Bußgeldbescheids.

 

Wie kommt die französische Behörde an meine Adressdaten?

Mit der im Jahr 2013 umgesetzten europäischen Richtlinie 2011/82/EU wurde in jedem Land der EU eine nationale Kontaktstelle zur Abfrage von Halterdaten bei Verkehrsdelikten eingerichtet. In Deutschland ist es das Kraftfahrt-Bundesamt.

Auf Anfrage ausländischer Behörden darf die Kontaktstelle Ihre Adressdaten herausgeben.

 

Ist die Höhe des Bußgelds richtig?

Anders als in Deutschland langt der französische Staat bereits bei geringen Geschwindigkeitsübertretungen ordentlich hin.

Der Regelsatz für eine Geschwindigkeitsübertretung innerorts bis 20 km/h liegt bei 135 Euro (außerorts bei 68 Euro). Wird innerhalb von zwei Wochen bezahlt, gibt es einen Rabatt und es werden nur 90 bzw. 45 Euro fällig. Bei säumigen Zahlern steigt das Bußgeld auf 180 bzw. 375 Euro. 

Bei einfachen Verkehrsverstößen haben die Behörden in Frankreich ein Jahr lang Zeit, um ein Bußgeld zu verhängen.

Ist der Bußgeldbescheid einmal verschickt, kann dieser drei Jahre lang vollstreckt werden.

 

Die Höhe des Bußgelds bei Geschwindigkeitsübertretungen:


Geschwindigkeitsüberschreitung von 20 km/h außerhalb geschlossener Ortschaften: 

  • 68 Euro (Festbetrag),
  • 45 Euro (Wenn die Strafe innerhalb von 3 Tagen bezahlt wird),
  • 180 Euro (Wenn die Strafe nach 30 Tagen bezahlt wird).
     

Von 20 km/h innerhalb geschlossener Ortschaften: 

  • 135 Euro (Festbetrag),
  • 90 Euro (Wenn die Strafe innerhalb von 3 Tagen bezahlt wird),
  • 375 Euro (Wenn die Strafe nach 30 Tagen bezahlt wird).
     

Von 20 bis 50 km/h:

  • 135 Euro (Festbetrag),
  • 90 Euro (Wenn die Strafe innerhalb von 3 Tagen bezahlt wird),
  • 375 Euro (Wenn die Strafe nach 30 Tagen bezahlt wird).
     

≥50 km/h: Bußgeld wird vom Gericht festgesetzt, höchstens 1.500 Euro

Hinweis: Feste Blitzer werden in der Regel durch ein Schild angekündigt.

 

Wer muss zahlen – der Fahrzeughalter oder der Fahrer?

Wie in Deutschland muss der Temposünder das Bußgeld zahlen.

Den Bußgeldbescheid bekommt der Fahrzeughalter zugeschickt. Sollte dieser nicht selbst gefahren sein, hat er die Möglichkeit, auf dem Anhörungsbogen Angaben zum Fahrzeugführer zu machen.

 

Wie kann ich bezahlen?

  • Überweisung (Bankverbindung ist auf dem Formular angegeben),
  • Bankkarte oder in bar bei in zugelassenen Tabakläden in Frankreich.

 

Kann ich ein Beweisfoto anfordern?

Ja. Anders als in Deutschland wird das Beweisfoto nicht automatisch zugesandt.

Sie können jedoch bei der zentralen Stelle in Rennes (Centre automatisé de constatation des infractions routières) das Radarbild anfordern.

Wichtig: Die Anforderung des Beweisfotos befreit Sie nicht von der Verpflichtung, das Bußgeld zu hinterlegen, auch wird die Widerspruchsfrist hierdurch nicht gehemmt.

Weitere Informationen stellt die ANTAI (Nationale Agentur für die automatischen Prozesse von Verstößen) zur Verfügung.

 

Muss der Bußgeldbescheid in Deutschland vollstreckt werden?

Der Bußgeldbescheid ist unabhängig von der Sprache erst einmal grundsätzlich wirksam.

Für die zwangsweise Vollstreckung in Deutschland muss er aber in deutscher Sprache verfasst sein, wenn das Fahrzeug auch in Deutschland zugelassen ist (Artikel 5 der Richtlinie 2011/82/EU).

Eine Vollstreckung in Frankreich ist auch ohne Übersetzung möglich. Wenn ein französischer Bußgeldbescheid also nicht bezahlt wird, kann das bei künftigen Besuchen in Frankreich eventuell zu Problemen führen.

 

Kann der Bußgeldbescheid in deutscher Sprache sein?

Nach dem Europäischen Geldsanktionsgesetz (EuGeldG) können bereits seit 2010 Bußgelder über 70 Euro, die in einem anderen EU-Staat verhängt wurden, auch in Deutschland vollstreckt werden.

Bedenken Sie: Bei der Höhe des Bußgelds werden auch die für das Verfahren anfallenden Kosten mitberücksichtigt.

Die Vollstreckung erfolgt durch die deutschen Behörden nach deutschem Verfahrensrecht.

 

Werden Punkte in Flensburg eingetragen?

Wenn Sie im Ausland ein Verkehrsdelikt begangen haben, werden Ihnen im deutschen Verkehrszentralregister keine Punkte eingetragen.

Eine Eintragung im französischen Register erfolgt nur bei Personen mit Wohnsitz in Frankreich oder mit einem französischen Führerschein.

 

Wie kann ich Widerspruch einlegen?

Sie können aus mehreren Gründen Widerspruch einlegen:

  • Es handelt sich nicht um Ihr Fahrzeug oder es war zum Zeitpunkt des Verstoßes gestohlen.
  • Nicht Sie sind mit Ihrem Fahrzeug gefahren.
  • Sie bestreiten das tatsächliche Vorliegen des Verstoßes.

In jedem Fall muss der Widerspruch innerhalb von 45 Tagen ab Versand des Strafzettels eingelegt werden.

Bis auf Ausnahmefälle darf die Geldstrafe nicht beglichen werden, um Widerspruch einzulegen. Das Bezahlen der Geldstrafe bedeutet nämlich, dass Sie zugeben, den Verstoß begangen zu haben.

Vorgehensweise für den Widerspruch:

  • Widerspruch auf dem Postweg stellen, indem Sie das blaue „Antragsformular für die Befreiung“ ausfüllen und per Einschreiben mit Rückschein zurückschicken.
     

Die Bearbeitung des Einspruches kann einige Wochen dauern. Wird diesem stattgegeben, erhalten Sie einen Erstattungsbescheid.

In der Folge müssen Sie noch einen Erstattungsantrag stellen. Dazu gehören zudem folgende Dokumente: Zahlungsbestätigung, Bankverbindungsnachweis und die Originalschreiben der französischen Behörden.

Nach einer unbestimmten Bearbeitungsfrist erhalten Sie dann Ihre Kaution zurück.

Vorsicht: Wenn Sie Widerspruch einlegen und die Behörden letztendlich entscheiden, dass der Verstoß tatsächlich vorliegt, wird die Geldstrafe erhöht.

 

Wann tritt Verjährung ein?

Die Verjährungsfrist für den Erlass eines Bußgeldbescheids in Frankreich liegt bei einem Jahr (Verfolgungsverjährung).

Ergeht innerhalb dieses Jahres der Bußgeldbescheid, so kann dieser drei Jahre lang vollstreckt werden (Vollstreckungsverjährung).

80 oder 90, das ist hier die Frage! Zumindest dann, wenn es um das aktuell debattierte Tempolimit auf französischen Landstraßen geht.

Das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz e. V. (ZEV) klärt auf über Höchstgeschwindigkeiten und Bußgelder und gibt praktische Tipps fürs Autofahren in Frankreich.

 

Tempolimit auf französischen Landstraßen: 80 oder 90 km/h

Welches Geschwindigkeitslimit auf französischen Landstraßen (routes secondaires) herrscht, ob 80 oder 90 Kilometer pro Stunde, kann seit Ende 2019 jedes Département, in bestimmten Fällen auch die Bürgermeister, selbst entscheiden.

Das entsprechende Gesetz (loi d'orientation des mobilités) wurde im Dezember 2019 verabschiedet.

Tipps für Autofahrer in Frankreich:

  • Wenn Sie vorhaben, in Frankreich Auto zu fahren, informieren Sie sich auf Service Public (auf Französisch) über die Tempolimits und Geldbußen im Land.
  • Verlassen Sie sich nicht auf ihr Navigationssystem, das eventuell noch nicht auf dem aktuellsten Stand ist.
  • Fahren Sie auf Landstraßen im Zweifelsfall 80!

2018 hatte die französische Regierung das Tempolimit auf Landstraßen für alle einheitlich von 90 auf 80 Kilometer pro Stunde gesenkt, um die Zahl der Verkehrstoten zu verringern.

Interessant für die deutsch-französische Grenzregion: Einige grenznahe Gebietskörperschaften haben sich entschieden, schrittweise wieder 90 km/h auf bestimmten viel befahrenen Streckenabschnitten einzuführen.

Das ist z.B. der Fall in der Gebietskörperschaft Collectivité européenne d’Alsace (Elsass).

Unsere Empfehlung: Beachten Sie die Schilder auf den Landstraßen (routes départementales). Fahren Sie im Zweifelsfall 80 km/h.

Zum Vergleich: in Deutschland gilt auf Landstraßen Tempo 100.

 

Tempolimit auf französischen Autobahnen und innerorts

Auf französischen Autobahnen gilt Tempolimit 130Innerorts herrschen 50 Kilometer pro Stunde. Ausnahmen können zum Beispiel für Fahranfänger oder bei Regen gelten.

 

Toleranzwerte und Bußgelder

Wie in Deutschland gibt es in Frankreich Toleranzwerte, die Ungenauigkeiten bei der Geschwindigkeitsmessung ausgleichen sollen. Bei Geschwindigkeiten von weniger als 100 km/h werden automatisch 5 km/h von dem vom Blitzer gemessenen Wert abgezogen (in Deutschland 3 km/h).

Bei mehr als 100 km/h werden 5 Prozent abgezogen (in Deutschland 3 Prozent).

Ein Beispiel:

Sie werden auf einer französischen Landstraße (Tempolimit 80) mit 86 km/h geblitzt. 5 km/h werden abgezogen, es bleiben also 81 km/h.

Achtung, anders als in Deutschland wird das Bußgeld nicht stufenweise je nach Schwere der Tempoüberschreitung berechnet. In Frankreich müssen Sie sofort mit einem Bußgeld von mindestens 45 Euro rechnen, auch wenn Sie nur einen Kilometer pro Stunde zu schnell waren.

Warnung: Seit dem 22. Mai 2020 darf Autofahrern in Frankreich der Führerschein entzogen werden, wenn sie mit Handy am Steuer erwischt werden und gleichzeitig ein Verkehrsdelikt begehen wie Nichtbeachtung der Verkehrsregeln, Geschwindigkeitsüberschreitung, Überholen oder Missachtung von Vorfahrtsregeln.

Es droht ein 72-stündiges Fahrverbot. In dieser Zeit kann der Präfekt den Entzug des Führerscheins für bis zu 6 Monate anordnen. Bei einem Verkehrsunfall mit Todesfolge oder Personenschaden kann die Frist auf ein Jahr verlängert werden.

Radarwarner sind in Frankreich verboten

Viele Autofahrer wissen es nicht. In Frankreich sind Navigationsgeräte die Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzeigen verboten.

Sowohl die Nutzung als auch das bloße Mitführen ist untersagt. Findet die französische Polizei bei einer Verkehrskontrolle einen Radarwarner, ist ein Bußgeld bis zu 1500 Euro fällig und das Gerät wird sichergestellt.

Das Verbot betrifft sowohl mobile Navis, im Auto integrierte Navigationsgeräte als auch Mobiltelefone mit Navigations-Funktion. Gegebenenfalls Beschlagnahmung des Autos bei fest installierten Geräten.

Die POI-Funktion ist erlaubt, wenn sie allgemein auf Gefahrenstellen in einer ausreichenden Distanz hinweist. Der direkte Hinweis auf eine Radarmessstelle hingegen ist verboten.

In Deutschland sind Navigationsgeräte, die vor Radarfallen warnen auch verboten.

Zwar darf man hierzulande einen Radarwarner kaufen und besitzen, die Nutzung während der Fahrt ist aber nicht erlaubt. Wer gegen dieses Verbot verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Bußgeld von 75 Euro und 1 Punkt in Flensburg rechnen.

 

Keine Mitführpflicht von Alkoholtestern in Frankreich

Seit dem 22. Mai 2020 ist es in Frankreich nicht mehr erforderlich, einen Alkoholtester im Wagen mitführen.

Dieses Messgerät gibt den in der Atemluft enthaltenen Alkoholgehalt an, der in Frankreich 0,5 mg/l nicht übersteigen darf (0,2 mg/l für Fahranfängern, die weniger als 2 Jahre im Besitz des Führerscheines sind), wenn man Autofahren will.

Die Tests gibt es als preisgünstige Einmaltests ab 1,50 Euro z.B. an Tankstellen und Apotheken. Aber auch elektronische Geräte sind günstig zu erwerben (z.B. in großen Supermärkten).

Die Geräte müssen gemäß französischer Norm (NF) zertifiziert sein. 

Außerdem zu beachten: Einmaltester geben keinen zuverlässigen Promillewert an und können von den Werten der Polizeigeräte abweichen.

Nachtclubs und Bars, die zwischen 2.00 und 7.00 Uhr morgens Alkohol abgeben dürfen, sind in Frankreich verpflichtet, ihren Gästen zertifizierte Alkoholtestgeräte zur Verfügung zu stellen.

Wenn Sie auf einer französischen Autobahn oder Schnellstraße einen Unfall oder eine Panne haben, müssen Sie einen zugelassenen Mechaniker rufen. Nur solche zugelassenen Dienstleister dürfen auf der französischen Autobahn tätig werden.

Der Mechaniker wird automatisch losgeschickt, sobald Sie über eine der orangen farbigen Säulen oder mithilfe der App SOS autoroute einen Notruf abgegeben haben.

Wenn sich keine Notrufsäule in Reichweite befindet oder Sie nicht über die App verfügen, wählen Sie die 112.

Bei neuen Pkw-Modellen kann auch das europäische eCall-System bei einem Unfall automatisch einen Hilferuf absetzen oder manuell ausgelöst werden.

Doch Vorsicht: Die Kosten für die Pannenhilfe können variieren!

Die Tarife für die Pannenhilfe werden durch eine vom französischen Wirtschafts- und Finanzministerium festgelegte Pauschalpreistabelle geregelt, die je nach Umständen variieren kann:

  • Pannenhilfe am Tag (8h - 18h) oder in der Nacht (18h - 8h),
  • unter der Woche oder am Wochenende,
  • Pannenhilfe vor Ort, auf einem Rastplatz oder nach dem Abschleppen,
  • Abschleppdienst bis zur Werkstatt des Mechanikers oder Abschleppdienst an einem vom Autofahrer gewählten Ort.
     

Seit dem 2. August 2020 beträgt der Mindesttarif 131,94 Euro. Dieser Pauschalpreis betrifft die Pannenhilfe und den Abschleppdienst, auf Autobahnen und Schnellstraßen, von leichten Fahrzeugen, also unter 1,8 Tonnen.

Weitere Informationen und eine detaillierte Übersicht über die Preistabelle finden Sie auf der Internetseite der ASFA (Association Professionnelle des Sociétés Françaises Concessionnaires ou Exploitantes d'Autoroutes ou d'Ouvrages Routiers).