Wohnsteuer in Frankreich

In Frankreich ist jährlich eine Wohnsteuer (taxe d'habitation) zu entrichten, und zwar von der- oder demjenigen, der das Objekt am 1. Januar eines Kalenderjahres bewohnt.

Stand der Informationen: Oktober 2019

Bis 2020 möchte die französische Regierung die Wohnsteuer für einige Haushalte abschaffen. Das französische Wirtschaftsministerium hat online einen Kaufkraftsimulator (Link auf Französisch) eingerichtet. Er berechnet, wer betroffen ist, und gibt einen Richtwert über die Höhe der Einsparung an.

Endet Ihr Mietvertrag Ende Januar oder verkaufen Sie Ihre Immobilie z. B. am 31. Januar, müssen Sie trotzdem für das gesamte Jahr die Wohnsteuer entrichten. Ihr Nachmieter oder der Käufer hat für das betroffene Jahr also Glück gehabt. Für die Immobilie, die Sie am 1. Februar beziehen, müssen Sie hingegen keine Wohnsteuer bezahlen, da diese bereits von Ihrem Vormieter oder Verkäufer entrichtet worden ist.

Höhe der Wohnsteuer

Die Höhe der Wohnsteuer wird auf der Grundlage des Nettomietwerts der Wohnung (valeur locative nette) nach einem Prozentsatz berechnet, den die jeweiligen lokalen Gebietskörperschaften (Gemeinde, Département oder Region) festlegen.

Der Nettomietwert entspricht in etwa der Jahresmiete, die ein Vermieter für eine vergleichbare Wohnung erzielen kann. Handelt es sich bei der Unterkunft um Ihren Hauptwohnsitz, gibt es bei der Berechnung des Nettomietwertes folgende Abschläge:

  • Automatischer Abschlag für Kinder und bestimmte Verwandte (z. B. die 80-jährige Großmutter mit geringem Einkommen, die im gleichen Haus wohnt)
  • Optionale Abschläge, die von den jeweiligen Gebietskörperschaften festgelegt werden. Dies betrifft insbesondere Personen in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen oder mit Behinderung.

Da die Wohnsteuer einen erheblichen Teil der jährlichen Lebenshaltungskosten ausmachen kann, ist es ratsam, sich bereits vor Beginn der Wohnungssuche über deren genaue Höhe zu erkundigen und diese bei der anschließenden Entscheidung für die eine oder die andere Wohnung miteinzubeziehen.

Wohngemeinschaft in Frankreich: Wer bezahlt die Wohnsteuer?

Sollten Sie in einer Wohngemeinschaft wohnen, gilt es zu beachten, dass die Wohnsteuer von der Steuerbehörde nicht individuell auf die Mitbewohner aufgeteilt wird. Die Steuerbehörde ist berechtigt, den Steuerbescheid an nur einen der Mitbewohner zu schicken, der die Steuer dann alleine entrichten muss. Die Mitbewohner müssen sich dann untereinander einigen, wie der Ausgleich unter Ihnen stattfinden soll.

Vollständige und teilweise Befreiung von der Wohnsteuer

Ausschlaggebend für eine vollständige oder teilweise Befreiung von der Wohnsteuer des Hauptwohnsitzes ist insbesondere das zu versteuernde Referenzeinkommen (revenu fiscal de référence). Es ist auf dem jährlichen französischen Steuerbescheid aufgeführt (Voraussetzung ist also, dass eine Steuererklärung in Frankreich abgegeben wurde und dass das eigene Einkommen unter den gesetzlich festgelegten Einkommensgrenzen liegt). Die vollständige oder teilweise Befreiung wird in diesem Fall vom französischen Finanzamt automatisch erteilt und muss nicht separat beantragt werden.

Wer das erste Mal in Frankreich seine Steuern erklärt, kann dies schriftlich mit Hilfe des Formulars "Cerfa 2042" abwickeln. Das ausgefüllte Formular muss anschließend an das zuständige Finanzamt gesendet werden. Abgegeben werden muss die Steuerklärung in der Regel im Zeitraum des zweiten und dritten Quartals eines Jahres.

Auf der Internetseite service-publique.fr finden Sie weitere Informationen zur Wohnsteuer und den Befreiungsbedingungen.

Befreiung von der Wohnsteuer für Studierende in Frankreich

Ausländische Studierende, die am 1. Januar eines Jahres in Frankreich eine Wohnung angemietet haben, müssen grundsätzlich ebenfalls die französische Wohnsteuer zahlen. Ausgenommen sind hiervon Studentenunterkünfte, die von Einrichtungen wie dem Crous verwaltet werden. Ansonsten stehen folgende zwei Möglichkeiten zur Verfügung, um vollständig oder teilweise von der Wohnsteuer befreit zu werden:

  • Geben Studierende eine Steuererklärung in Frankreich ab, prüft das französische Finanzamt automatisch, inwieweit eine Befreiung erteilt werden kann.
  • Wird keine Steuererklärung in Frankreich abgegeben, werden Studierende zu dem steuerlichen Haushalt ihrer Eltern gezählt. In diesem Fall müssen Studierende eigenständig einen Antrag auf Befreiung beim französischen Finanzamt stellen. Dem Antrag müssen Dokumente beigefügt werden, die Aufschluss über das Einkommen der Eltern geben. Sind diese Dokumente nur in deutscher Sprache vorhanden, müssen sie gegebenenfalls noch in die französische Sprache übersetzt werden. Anschließend prüft das Finanzamt anhand der Unterlagen, inwieweit eine Befreiung möglich ist oder nicht.

Rundfunkgebühren in Frankreich

In Frankreich werden zusammen mit der Wohnsteuer öffentliche Rundfunkgebühren (contribution à l'audiovisuel public) eingezogen. Alle Geräte, die zum Empfang von Fernseh- und Radiosendungen geeignet sind, gelten als gebührenpflichtig. Jeder Haushalt mit mindestens einem solchen Geräte hat eine pauschale Gebühr zu entrichten. Dies gilt nicht, wenn man zu Hause nur einen Computer, ein Smartphone oder ein Tablet nutzt. Für 2019 beträgt die jährliche Rundfunkgebühr 139 €.

Im September 2018 erwog die französische Regierung neu zu bestimmen, wer zur Zahlung der "contribution à l'audiovisuel public" (Gebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk) verpflichtet sein soll. Der Beitrag ist derzeit nur von denen zu zahlen, die einen Fernseher besitzen. Da der öffentlich-rechtliche Rundfunk heute aber auch über Smartphones, Tablets und Computer zugänglich ist, möchte die Regierung die Gebühr an die neuen Konsumgewohnheiten anpassen. Daher könnte in der Zukunft der einzige Besitz eines dieser Geräte die Zahlung eines solchen Beitrags rechtfertigen. Die Diskussionen zu diesem Thema gehen also weiter.

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