Schlussverkauf in Frankreich

In Frankreich gibt es ihn noch offiziell: den Schlussverkauf (Französisch soldes). Zweimal im Jahr findet die gesetzlich geregelte, mehrwöchige Schnäppchenjagd statt. Das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz gibt Tipps für das Shoppen im Nachbarland.

Stand der Informationen: Juli 2020

Während des französischen Schlussverkaufs dürfen Händler Ware für weniger als den Einkaufspreis verkaufen. Der Winterschlussverkauf beginnt meist im Januar, der Sommerschlussverkauf im Juni. Jedes Jahr wird ein Datum für ganz Frankreich festgelegt, ein paar Départements weichen davon ab. Einen Überblick verschafft die Internetseite der Generaldirektion für Verbraucherschutz (DGCCRF) (Link auf Französisch) beim französischen Wirtschaftsministerium in Paris.

Außerhalb des offiziellen Sommer- und Winterschlussverkaufs dürfen Ladenbesitzer weitere Räumungsverkäufe veranstalten, jedoch nicht unter dem Begriff soldes. Außerdem dürfen sie dann nicht unter dem Einkaufspreis weiterverkaufen.

Schlussverkauf wegen Corona auf 15. Juli 2020 verschoben.

Eigentlich hätte der Schlussverkauf am 24. Juni 2020 beginnen sollen. Nun beginnt er am 15. Juli 2020 und wird vier Wochen dauern. Die Einzelhändler, deren Geschäfte zwei Monate lang geschlossen waren, hatten um diese Verschiebung gebeten.

Gewährleistung in Frankreich: Was, wenn mein Artikel kaputt ist?

Genau wie bei regulären Produkten haben Sie als Kunde auch bei reduzierten Artikeln einen Anspruch auf Gewährleistung. Sie kaufen während des Schlussverkaufs in Frankreich z. B. ein Gerät und bemerken erst zu Hause, dass es kaputt ist, ein Teil fehlt oder sie das falsche bekommen haben. Dann haben Sie die Wahl und können die Reparatur oder den Austausch fordern. Lassen Sie sich von einem Verkäufer, der anderes behauptet, nicht beirren!

Eine Ausnahme ist zu beachten: War der Mangel schon beim Kauf der Ware äußerlich erkennbar, z.B. ein Kratzer auf dem Handydisplay, können Sie keinen Umtausch oder Erstattung des Preises fordern.

Mehr zum Thema finden Sie in unserem Artikel "Umtauschen und Reklamieren in Frankreich".

 

Das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz empfiehlt, Ware vor dem Kauf auf Fehler zu prüfen und den Kassenbon aufzubewahren.

Gesetzliche Gewährleistung: Beweislastumkehr in Frankreich und Deutschland

Die Rechte aus der gesetzlichen Gewährleistung gelten nicht nur in Frankreich. In der gesamten Europäischen Union, also auch in Deutschland, profitieren Verbraucher von zwei Jahren gesetzlicher Gewährleistung ab Erhalt der Ware. Voraussetzung ist, dass der Fehler schon bei Übergabe der Ware vorhanden gewesen sein muss. In Frankreich wird die gesamten zwei Jahre lang davon ausgegangen, dass diese Voraussetzung erfüllt ist. Kundenmüssen dies also nicht erst beweisen. In Deutschland gilt diese Vermutung (Beweislastumkehr) nur in den ersten sechs Monaten.

Umtauschen und Zurückgeben in Frankreich: Was, wenn der Artikel mir nicht mehr gefällt?

Reklamieren können Sie also dann, wenn Ihr Artikel einen Mangel hat. Doch was ist, wenn das Produkt Ihnen nicht mehr gefällt und Sie es deshalb umtauschen möchten? Geschäfte sind dann nicht verpflichtet, Ihre Ware zurückzunehmen. Einige Bekleidungsläden nehmen Artikel üblicherweise aus Kulanz zurück, gegen Vorlage des Kassenbons. Achtung, gerade während der soldes nehmen einige von diesem Service wieder Abstand und schließen die Schlussverkaufsware vom Umtausch aus. Das ist zu erkennen an einem Zusatz wie etwa ni repris ni échangé, der im Laden ausgehängt wird oder auf dem Kassenzettel steht.

Wer nicht im Laden, sondern online einkauft, hat überall in der EU die Möglichkeit, innerhalb von 14 Tagen die Meinung zu ändern und das Produkt ohne Angabe von Gründen zurückzuschicken. Kunden müssen diesen Widerruf schriftlich erklären, etwa per E-Mail.

Ausführliche Informationen zum Thema Widerruf beim Onlinekauf stellt das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland bereit.

Preisangaben: Woher weiß ich, dass es sich wirklich um ein Schnäppchen handelt?

Das Preisschild muss den alten und den neuen Preis angeben. Der alte ist der niedrigste, den die Ware in den 30 Tagen vor Beginn des Schlussverkaufs hatte. Dieser Preis muss auf dem Etikett durchgestrichen sein. Außerdem muss die Differenz der beiden Preise, also die Ermäßigung, erkennbar sein.

Damit Schlussverkaufsware deutlich von der nicht-reduzierten Ware zu unterscheiden ist, muss die preisreduzierte Ware entweder den Hinweis soldes tragen oder es muss etwa am Regal darauf hingewiesen werden, dass auf alle Artikel zum Beispiel 10 % Nachlass gewährt wird.

Tipps für Ihre Shoppingtour in Frankreich

  • Bewahren Sie Ihre Kassenzettel auf. Sie dienen als Beleg, falls Sie defekte Ware reklamieren möchten
  • Sie haben kein generelles Recht auf Umtausch. Viele französische Händler bieten das, genau wie deutsche, aus Kulanz an. Gerade Schlussverkaufsware kann von diesem Service ausgenommen werden. Informieren Sie sich vor dem Kauf, ob Sie Artikel umtauschen dürfen
  • Beim Onlineshopping dagegen haben Sie ein 14-tägiges Widerrufsrecht, falls Sie Ihre Meinung ändern und das Produkt doch nicht haben möchten
  • Bei Zweifel am tatsächlichen Preisnachlass: Fragen Sie bei einem Verkäufer nach
  • Achten Sie auf das Preis-Leistungs-Verhältnis

Hygiene- Verhaltensregeln wegen Corona

Hier einige Maßnahmen, die aufgrund der Corona-Krise ergriffen wurden und auf die Sie diesen Sommer stoßen können:

  • Die Erinnerung an Hygienemaßnahmen am Eingang und in der Verkaufsstelle.
  • Hinweis, dass der Mindestabstand von mindestens 1,5 m einzuhalten ist.
  • Zu Stoßzeiten kann es an den Eingängen zu Kontrollen kommen, damit sich nur eine bestimmte Anzahl an Personen im Laden aufhält (maximal 1 Person pro 10m² Verkaufsfläche).
  • Die Verkäufer/innen müssen eine Maske tragen und sich regelmäßig die Hände waschen. Genauso müssen regelmäßig Möbel, Türgriffe usw. gereinigt werden.
  • Das Tragen einer Maske ist Kunden nahezulegen und für den Gebrauch der Umkleidekabine vorzuschreiben. Kunden, die keine Maske haben, soll eine angeboten werden. Auch Desinfektionsmittel muss zur Verfügung gestellt werden.
  • Produkte und Kleider, die von Kunden anprobiert und nicht gekauft werden, sollten für mindestens 4 Stunden von der Verkaufsfläche genommen und anschließend evtl. mit Desinfektionsmittel gereinigt werden.
  • Das kontaktlose Bezahlen per Kreditkarte, Girokarte oder Mobiltelefon sollte bevorzugt werden, ohne Barzahlung zu verbieten. Für das Überreichen von Bargeld ist bestenfalls ein Becher zur Verfügung zu stellen.
  • Der Kontakt zwischen Personal und Kunden, sei es bei der Übergabe der Ware oder an der Kasse, sollte so weit wie möglich eingeschränkt werden.
  • Artikel schließen