Coronavirus: Was bedeutet das für Grenzgänger

Das Coronavirus breitet sich auch in der deutsch-französischen Grenzregion aus. Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, das Saarland sowie das benachbarte Elsass sind betroffen. Wir erklären, worauf Grenzgänger achten müssen.

Stand: 1. April 2020 / 11:15 Uhr


Infos zum Coronavirus für deutsch-französische Grenzgänger

Wer aus Frankreich kommt und in Deutschland arbeitet, kann auch weiterhin die Grenze passieren. Egal, ob deutsche oder französische Staatsbürgerschaft.

Um über die Grenze von Frankreich nach Deutschland zu gelangen, müssen folgende Papiere mitgeführt werden.

Die Bescheinigung über die Anreise zum Arbeitsplatz muss von Ihrem Arbeitgeber einmalig ausgefüllt werden. Wie lange sie gültig bleibt, entscheidet Ihr Arbeitgeber. Wer sich nicht an diese Regelungen hält, dem droht eine Geldstrafe von mindestens 135 Euro. Im Wiederholungsfall liegt die Geldbuße bei bis zu 1.500 Euro.

Mitarbeiter im Gesundheitsbereich (Ärzte, Krankenschwestern, Krankenpfleger und Apotheker), Sicherheits- und Rettungskräfte (Polizei, Gendarmerie und Feuerwehr), gewählte Vertreter, Richter und Journalisten können mit ihrem Berufsausweis zur Arbeit fahren, soll aber dennoch die ausgefüllte attestation individuelle dabei haben. Wer selbständig tätig ist, muss den Reisegrund 1 auf der Bescheinigung ankreuzen. Eine Ausfüllhilfe halten die Deutschen Vertretungen in Frankreich bereit. 

Wenn Sie an der deutschen Grenze ankommen, müssen Sie den deutschen Beamten eine von Ihrem Arbeitgeber ausgefüllte "Pendlerbescheinigung" vorlegen. Das Dokument in deutscher Sprache kann auf der Internetseite der Bundespolizei heruntergeladen werden.

Autofahrer, die nach Baden-Württemberg einreisen, müssen die Pendlerbescheinigung gut sichtbar hinter der Frontscheibe auslegen.

Ein vom Arbeitgeber selbst ausgestelltes Pendler-Dokument, das die gleichen Informationen enthält, wird derzeit von der Bundespolizei akzeptiert.

Eine Liste der geöffneten Grenzübergänge zwischen Deutschland und Frankreich finden Sie hier.


Darauf müssen Berufspendler aus Frankreich achten

Baden-Württemberg:
Berufspendler aus Frankreich dürfen weiterhin in Deutschland arbeiten. Sie dürfen allerdings die Fahrt nicht zum Einkaufen oder zu Freizeitzwecken unterbrechen oder irgendwo anders hin als zum Arbeitsplatz fahren. Wer sich nicht daran hält muss mit Bußgeldern zwischen 250 und 1.000 Euro rechnen.

Rheinland-Pfalz:
Berufspendler aus Risikogebieten (z. B. Grand Est) dürfen weiterhin in Rheinland-Pfalz arbeiten. Sie müssten sich aber unmittelbar zum Arbeitsort begeben. Sie dürfen diese Fahrten nicht zum Einkaufen und nicht zu Freizeitzwecken unterbrechen. Wer sich nicht daran hält, muss mit Strafen von bis zu 25.000 Euro rechnen.


Das gilt in Frankreich in Sachen Corona-Virus

Die Ausgangssperre für ganz Frankreich gilt bis mindestens 15. April für alle in Frankreich lebenden Menschen. Wer seine Wohnung verlassen möchte, braucht eine attestation individuelle. Diese muss bei jedem Verlassen der Wohnung individuell ausgestellt werden und gilt auch nur für diesen einen Gang. Auch die Uhrzeit muss eingetragen werden.

Das Formular kann auf der Internetseite der französischen Regierung herungergeladen werden. Eine Ausfüllhilfe halten die Deutschen Vertretungen in Frankreich bereit. Auch handgeschriebene Bescheinigungen sind zulässig, sofern kein Internetzugang besteht oder keine Möglichket gegeben ist, die Formulare auszudrucken. Das Vorzeigen eines elektronischen Zertifikat auf dem Smartphone wird nicht akzeptiert. Wer sich nicht an diese Regelungen hält, dem droht eine Geldstrafe von mindestens 135 Euro. Im Wiederholungsfall liegt die Geldbuße bei bis zu 1.500 Euro.

Für Personen mit Handicap gibt es ein spezielles Formular. Dieses muss jedes Mal ausgefüllt werden, wenn das Haus verlassen wird.

Folgende Regelungen gelten in Frankreich:

  • Sportliche Betätigungen und Spaziergänge mit dem Hund dürfen nur noch 1 x täglich, für 1 Stunde, im Umkreis von 1 km der Wohnung, alleine stattfinden.
  • Märkte werden geschlossen. Ausnahmen kann es geben, wenn der Markt die Hauptbezugsquelle für Lebensmittel darstellt.
  • Arztbesuche sollten sich auf Notfälle und auf geplante Behandlungen (insbesondere bei chronischen Erkrankungen) beschränken.
  • Alle für die Öffentlichkeit zugänglichen Orte, die für das alltägliche Leben nicht unbedingt notwendig sind, sind bis auf weiteres geschlossen. Geöffnet bleiben Apotheken, Lebensmittelgeschäfte, Tankstellen, Banken, Tabakläden und wichtige öffentliche Dienste.
  • Kindergärten, Schulen, Hochschulen, Gymnasien und Universitäten sind geschlossen.

 Nähere Infos können Sie hier nachlesen (auf Deutsch).


Neue Maßnahmen für Bas-Rhin (25.03.2020):

  • Lebensmitteleinzelhändler müssen in der Zeit von 20:00 Uhr bis morgens 06:00 Uhr geschlossen bleiben.
  • Gleiches gilt für Restaurants und Schankwirtschaften. Sie dürfen in dieser Zeit nichts mehr zum Mitnehmen verkaufen. Lieferungen nach Hause oder Drive-Ins sind weiterhin erlaubt.
  • Sind verboten: Parks, öffentliche Gärten, Baggerseen, Wälder, Gewässer, Grünflächen an Flüssen / Ufern,Spielplätze, Trimm-Dich-Pfade,städtische Sportplätze, Spazierwege. 

Neue Maßnahmen für die Stadt Straßburg (25.03.2020):

  • Die TRAM und der Bus dürfen noch für die Fahrt zur Arbeit, zum Arzt oder aus anderen gesundheitlichen oder familiären Gründen benutzt werden.
  • Lebensmittelunternehmen müssen spätestens um 20:00 Uhr schließen.
  • Schließung aller Märkte. Ausnahme: der Markt im Stadtteil Neudorf (Place du Marché).
  • In den kommenden Tagen werden in Lebensmittelgeschäften mehrsprachige Formulare der "L'attestation individuelle" ausgelegt.
  • Straßenparkplätze sind für Besucher und Anwohner kostenlos.

 Nähere Infos können Sie hier nachlesen (auf Französisch).

 

 

Weitere Informationen zum Coronavirus für Grenzgänger: Deutschland und Frankreich


Weitere Informationen in Sachen Coronavirus und Reiserecht in Europa


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Das sind die Maßnahmen der deutschen Nachbarn

Kontaktverbot:
Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist alleine, mit einer weiteren, nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen, die im eigenen Haushalt leben erlaubt. Im öffentlichen Raum muss ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Im Saarland sind es 2 Meter.

Eine Ausgangssperre:
ist nicht geplant. Das Haus darf verlassen werden, um zur Arbeit zu gehen, einzukaufen, den Arzt aufzusuchen, Sport zu treiben und sich an der frischen Luft zu bewegen (aber nicht in Gruppen)

Die Ausgangsbeschränkungen im Saarland gelten vorraussichtlich bis 20. April 2020.

Restaurants, Gastätten, Cafés:
bleiben geschlossen. Essen darf aber weiterhin abgeholt oder geliefert werden.

Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege:
wie z. B. Friseurgeschäfte, Kosmetiksalons, Tattoo-Studios, Massagestudios müssen schließen. Medizinisch notwendige Behandlungen sind aber weiterhin möglich.


Wer sich nicht daran hält, muss vor allem in Baden-Württemberg mit hohen Strafen rechnen. Wer sich z. B. auf Straßen und Plätzen mit mehr als 2 Personen, die nicht zur Familie gehören, trifft, kann mit einen Bußgeld von bis 1.000 Euro belegt werden. Wer ohne Pendler-Bescheinigung unterwegs ist, muss zwischen 100 und 500 Euro bezahlen. Das Sozialministerium hat den Bußgeldkatalog auf seiner Internetseite veröffentlicht.


Informationen zum Coronavirus der Landesregierungen in der Grenzregion

 

 

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