Strafzettel in Frankreich

Deutsche Autofahrer, die in Frankreich geblitzt werden, müssen damit rechnen, Post von den französischen Behörden zu bekommen. Die Bußgelder sind im Vergleich zu Deutschland hoch. Hier finden Sie Antworten zu häufig gestellten Fragen zum Thema Knöllchen in Frankreich.

Stand der Informationen : August 2019

Handelt es sich um einen Fake?

Seit März 2014 erhalten Deutsche Autofahrer Knöllchenpost aus Frankreich. Viele fragen sich, ob es sich hierbei um ein offizielles Schreiben oder um einen Betrugsversuch handelt.

Hier das Beispiel einer offiziellen Zahlungsaufforderung der französischen Behörden.

Wie kommt die französische Behörde an meine Adressdaten?

Mit der im Jahr 2013 umgesetzten europäischen Richtlinie 2011/82/EU wurde in jedem Land der EU eine nationale Kontaktstelle zur Abfrage von Halterdaten bei Verkehrsdelikten eingerichtet. In Deutschland ist es das Kraftfahrt-Bundesamt. Auf Anfrage ausländischer Behörden darf die Kontaktstelle Ihre Adressdaten herausgeben. 

Ist die Höhe des Bußgelds richtig?

Anders als in Deutschland langt der französische Staat bereits bei geringen Geschwindigkeitsübertretungen ordentlich hin.

Der Regelsatz für eine Geschwindigkeitsübertretung innerorts bis 20 km/h liegt bei 135 EUR (außerorts bei 68 EUR). Wird innerhalb von zwei Wochen bezahlt, gibt es einen Rabatt und es werden nur 90 bzw. 45 EUR fällig. Bei säumigen Zahlern steigt das Bußgeld auf 180 bzw. 375 EUR. 

Bei einfachen Verkehrsverstößen haben die Behörden in Frankreich ein Jahr lang Zeit, um ein Bußgeld zu verhängen. Ist der Bußgeldbescheid einmal verschickt, kann dieser drei Jahre lang vollstreckt werden.

Die Höhe des Bußgeldes bei Geschwindigkeitsübertretungen:

von 20km/h außerhalb geschlossener Ortschaften: 

  • 68 € (Festbetrag)
  • 45 € (Wenn die Strafe innerhalb von 3 Tagen bezahlt wird)
  • 180 € (Wenn die Strafe nach 30 Tagen bezahlt wird)

von 20km/h innerhalb geschlossener Ortschaften: 

  • 135 € (Festbetrag)
  • 90 € (Wenn die Strafe innerhalb von 3 Tagen bezahlt wird)
  • 375 € (Wenn die Strafe nach 30 Tagen bezahlt wird)

von 20 bis 50 km/h:

  • 135 € (Festbetrag)
  • 90 € (Wenn die Strafe innerhalb von 3 Tagen bezahlt wird)
  • 375 € (Wenn die Strafe nach 30 Tagen bezahlt wird)

≥50 km/h: Bußgeld wird vom Gericht festgesetzt, höchstens 1 500 Euro

Hinweis: Festinstallierte Blitzer werden in der Regel durch ein Schild angekündigt.

Wie schnell darf ich in Franrkeich Auto fahren? Alle Infos im Artikel "Geschwindigkeitsbegrenzung in Frankreich"

Wer muss zahlen – der Fahrzeughalter oder der Fahrer?

Wie in Deutschland muss der Temposünder das Bußgeld zahlen. Den Bußgeldbescheid bekommt der Fahrzeughalter zugeschickt. Sollte dieser nicht selbst gefahren sein, hat er die Möglichkeit, auf dem Anhörungsbogen Angaben zum Fahrzeugführer zu machen.

Wie kann ich bezahlen?

  • Per Überweisung (Bankverbindung ist auf dem orangenen Formular angegeben)
  • Per Kreditkarte über die Internetseite www.amendes.gouv.fr
  • Per Bankkarte oder in bar bei in Frankreich hierfür zugelassenen Tabakläden. 

Weitere Informationen auf dem orangenen Formular „Zahlungsmitteilung“.

Kann ich ein Beweisfoto anfordern?

Ja. Anders als in Deutschland wird das Beweisfoto nicht automatisch zugesandt. Sie können jedoch bei der zentralen Stelle in Rennes (Centre automatisé de constatation des infractions routières) das Radarbild anfordern.

Wichtig: Die Anforderung des Beweisfotos befreit Sie nicht von der Verpflichtung, das Bußgeld zu hinterlegen, auch wird die Widerspruchsfrist hierdurch nicht gehemmt.

Weitere Informationen finden Sie auf der Rückseite des grünen Formulars „Zahlungsaufforderung“ sowie unter www.antai.fr

Muss der Bußgeldbescheid in Deutschland vollstreckt werden?

Der Bußgeldbescheid ist unabhängig von der Sprache erst einmal grundsätzlich wirksam.

Für die zwangsweise Vollstreckung in Deutschland muss er aber in deutscher Sprache verfasst sein, wenn das Fahrzeug auch in Deutschland zugelassen ist (Artikel 5 der Richtlinie 2011/82/EU).

Eine Vollstreckung in Frankreich ist auch ohne Übersetzung möglich. Wenn ein französischer Bußgeldbescheid also nicht bezahlt wird, kann das bei künftigen Besuchen in Frankreich eventuell zu Problemen führen.

Kann der Bußgeldbescheid in deutscher Sprache sein?

Nach dem Europäischen Geldsanktionsgesetz (EuGeldG) können bereits seit 2010 Bußgelder über 70 Euro, die in einem anderen EU-Staat verhängt wurden, auch in Deutschland vollstreckt werden.

Bedenken Sie: Bei der Höhe des Bußgeldes werden auch die für das Verfahren anfallenden Kosten mitberücksichtigt.

Die Vollstreckung erfolgt durch die deutschen Behörden nach deutschem Verfahrensrecht.  

Werden Punkte in Flensburg eingetragen?

Wenn Sie im Ausland ein Verkehrsdelikt begangen haben, werden Ihnen im deutschen Verkehrszentralregister keine Punkte eingetragen.

Eine Eintragung im französischen Register erfolgt nur bei Personen mit Wohnsitz in Frankreich oder mit einem französischen Führerschein.

Wie kann ich Widerspruch einlegen?

Wenn Sie nicht gefahren sind, können Sie innerhalb von 76 Tagen Widerspruch gegen den Bußgeldbescheid einlegen, indem Sie das blaue „Antragsformular für die Befreiung“ ausfüllen und per Einschreiben mit Rückschein zurückschicken.

Wollen Sie aus einem anderen Grund gegen den Bescheid vorgehen, müssen Sie in der Regel das reguläre Bußgeld vorab hinterlegen und einen Nachweis hierüber mitsenden. Andernfalls wird Ihr Widerspruch nicht entgegengenommen. Ausnahmen von der Hinterlegungspflicht gibt es etwa bei Diebstahl oder Kennzeichenmissbrauch. In diesen Fällen müssen Sie Ihrem Einspruch eine Kopie der Anzeige beifügen.

Die Bearbeitung des Einspruches kann einige Wochen dauern. Wird diesem stattgegeben, erhalten Sie einen Rückerstattungsbescheid. In der Folge müssen Sie noch einen Rückerstattungsantrag stellen. Dazu gehören zudem folgende Dokumente: Zahlungsbestätigung, Bankverbindungsnachweis und die Originalschreiben der französischen Behörden. Nach einer unbestimmten Bearbeitungsfrist erhalten Sie dann Ihre Kaution zurück.

Weitere Informationen finden Sie auf der Rückseite des blauen Widerspruchformulars sowie unter www.antai.fr und service-public.fr

Wann tritt Verjährung ein?

Die Verjährungsfrist für den Erlass eines Bußgeldbescheids in Frankreich liegt bei einem Jahr (Verfolgungsverjährung). Ergeht innerhalb dieses Jahres der Bußgeldbescheid, so kann dieser drei Jahre lang vollstreckt werden (Vollstreckungsverjährung).

Rufen Sie Ihre Verstoßakte auf

Auf der Webseite ANTAI der französischen Bußgeldstelle erhalten Sie Einsicht in Ihre elektronische Akte und den Stand der Bearbeitung (in deutscher Sprache).

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