Unfall in Frankreich

Bei einem Autounfall im Ausland ist es wichtig, über seine Rechte Bescheid zu wissen. Nur so kommt man zu seiner Entschädigung. In diesem Artikel haben wir Tipps Hinweise und Adressen zusammengestellt, die bei einem Autounfall in Frankreich nützlich sind.

Stand der Informationen: Juli 2014

Bei einem Autounfall in Frankreich sollten Sie wissen:

  • Es gilt grundsätzlich französisches Recht (Ort des Unfalls). Jede Entschädigung richtet sich nach französischen Rahmenbedingungen. Ausnahme: Ihr Unfallgegner ist auch Deutscher und bei einer deutschen Versicherung versichert. Hier kann nach deutschen Bedingungen entschädigt werden.
  • Die Polizei kommt in Frankreich nur zur Unfallstelle, wenn dabei Personen mehr als nur leicht verletzt wurden oder wenn besondere Probleme wie Unfallflucht oder Verständigungsschwierigkeiten bestehen. Bei reinen Blechschäden fertigt die Gendarmerie also kein Protokoll an. Gerade deswegen ist es so wichtig, den „Europäischen Unfallbericht“ (frz. „Constat amiable“) an Ort und Stelle griffbereit zu haben. Eine Fassung in deutscher Sprache gibt Ihnen auf Anfrage Ihre Versicherung mit auf den Weg.
  • Europäischer Unfallbericht
  • (offiziell „Internationale Versicherungskarte für Kraftverkehr“)

Diese Karte hilft Ihnen bei einem Unfall im Ausland zwar zunächst nicht weiter. Sie soll Ihnen vielmehr die Schadensregulierung bei einem Unfall im Inland mit einem ausländischen Fahrzeug erleichtern:

Bei einem Unfall mit einem Fahrzeug aus der EU und dem EWR sowie aus Andorra, Kroatien und der Schweiz müssen Sie sich dazu lediglich das Kennzeichen und den Namen des Unfallgegners notieren und sich mit diesen Daten an das Deutsche Büro Grüne Karte wenden.

Bei Fahrzeugen aus den übrigen dem Grüne-Karte-System angehörigen Staaten sollten Sie sich die Grüne Karte durch den Unfallgegner aushändigen lassen und den dafür vorgesehenen Abschnitt abtrennen. Diesen reichen Sie dann wiederum beim Deutschen Büro Grüne Karte ein, das sich zur Schadensregulierung mit der jeweiligen ausländischen Versicherung auseinandersetzt.

Viele Unfallbeteiligte verlangen aber von ihrem Unfallgegner die Vorlage dieser Karte, in der alle wesentlichen Daten festgehalten sind. Um die sowieso schon ärgerliche Situation nicht weiter zu verschärfen, ist es also kein Fehler, die Grüne Karte bei einer Reise ins Ausland mit sich zu führen – auch in den Staaten, in denen es nicht mehr zwingend erforderlich ist.

Der „Europäische Unfallbericht“ ist ein europaeinheitliches Formular zur Aufnahme von Verkehrsunfällen, hat in allen EU-Staaten Gültigkeit und ist in allen Sprachen der EU erhältlich. Der „Europäische Unfallbericht“ muss nach dem Unfall unverzüglich der eigenen Versicherungsgesellschaft zugeschickt werden. Die Versicherung wird die Schuldfrage aufgrund dieses Formulars festlegen.

Praktische Tipps:

  • Wenn z.B. der Unfallgegner aus Frankreich für seine Versicherung ein Exemplar in französischer Sprache ausfüllt, sollten Sie vor Ihrer Unterschrift Ihr Exemplar in deutscher Sprache ausfüllen. Sie können den Unfallbericht in Deutsch ausfüllen, zumindest die Rubrik „Bemerkungen“/„observations“.
  • Vergleichen Sie in Ruhe die französische mit der deutschen Fassung. Erst dann sollten Sie unterschreiben.

Wichtig:

Grundsätzlich müssen alle am Unfall beteiligten Fahrer den Unfallbericht unterschreiben. Wenn ein Unfallbeteiligter nicht unterschreiben will, sollten Sie ihm eine einfache Sachverhaltsschilderung nahelegen. Zumindest sollte er in der Rubrik „Bemerkungen“/“observations“ die Gründe dafür angeben, warum er nicht unterschreibt.

Füllen Sie das Formular mit allen Informationen zu Unfallgegner, Fahrzeugkennzeichen, Namen von Zeugen usw. aus.

Wann ist der Unfallbericht unbedingt zu benutzen?

  • In allen Fällen, in denen ein Kraftfahrzeug beteiligt ist, auch wenn die Schäden geringfügig erscheinen.
  • Wenn Ihr Fahrzeug in einen Unfall mit mehreren Fahrzeugen verwickelt ist, sollten Sie mit jedem Unfallbeteiligten einen Unfallbericht ausfüllen.
  • Wenn ein Polizeibericht angefertigt wurde, wird dieser der Versicherungsgesellschaft erst Wochen nach dem Unfall zugehen; hier verhilft der „Europäische Unfallbericht“ zu einer schnellen Übermittlung der wichtigsten Unfalldaten.

1. Allgemeine Informationen (Felder 1-5)

Vorsicht: Beachten Sie besonders die Rubrik „Verletzte: ja / nein“: Wenn Sie am Unfallort keine Verletzungen feststellen und „nein“ ankreuzen, wird bei einer Verletzung ein späterer Beweis des Zusammenhangs mit dem Unfall schwierig werden. Im Zweifelsfall sollten Sie in der Rubrik „Verletzte“ „ja“ ankreuzen.

  • die gegnerische Versicherungsgesellschaft
    Prüfen Sie eingehend die Nummer der Versicherungspolice sowie Namen und Sitz der Gesellschaft des Unfallgegners. Die Daten der französischen Kfz-Versicherung und z. B. Dauer des Versicherungsschutzes können Sie direkt von der grünen Versicherungsmarke an der Windschutzscheibe ablesen.
  • Zeugen
    Füllen Sie sorgfältig das für Zeugen vorgesehene Feld 5 mit Namen, Adresse usw. aus.

2. Weitere Umstände, Feld 12

In der Mitte des Formulars verfügt jeder Unfallbeteiligte über eine Reihe von 17 Kästchen. Dies ist der wichtigste Abschnitt des Formulars!

Wichtig: Am unteren Ende dieser Reihe von Kästchen ist die Summe der angekreuzten Kästchen einzutragen. Vergessen Sie keinesfalls, die Summe der Kreuze zu überprüfen, damit z. B. niemand zu Ihrem Nachteil nachträglich ein zusätzliches Kreuz macht.

Wenn keines der vorgesehenen Kästchen zutrifft, sollten Sie die Rubrik „Bemerkungen“ nutzen (z. B. bei Meinungsverschiedenheiten mit dem Unfallgegner).

Fertigen Sie eine einfache Skizze des Unfalls an (Pfeile, Ampeln, Stellung der Fahrzeuge).

Die zum Teil deutlich verzögerte Regulierung von Unfallschäden mit ausländischen Versicherungen beruht vor allem auf der Praxis vieler Versicherungsunternehmen, nur mit einem anderen Versicherer, nicht aber mit Einzelpersonen, zu verhandeln. Für Sie als Deutscher ist dies besonders schwierig, da Ihr deutscher Versicherer aufgrund des deutschen Rechtsberatungsgesetzes nicht eingreifen darf, wenn Sie an dem Unfall keinerlei Verschulden trifft. Diesen Schwierigkeiten ist die 4. Kraftfahrzeughaftpflichtrichtlinie der EU entgegengetreten.

Was bringt Ihnen die 4. Kraftfahrzeughaftpflichtrichtlinie?

Deutschsprachiger Schadensregulierungsbeauftragter in Deutschland

Jedes Versicherungsunternehmen muss einen Schadensregulierungsbeauftragten in allen anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union oder einem Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum benennen, der im Auftrag des Unternehmens die Ansprüche auf Ersatz von Personen- und Sachschäden, die anlässlich eines Autounfalls im EU-Ausland entstanden sind, bearbeitet. Dieser muss in dem Staat ansässig oder niedergelassen sein, für den er benannt ist, und auch dessen Sprache beherrschen. Der Geschädigte kann sich für Unfälle nach dem 31. Dezember 2002 an diesen Schadensregulierungsbeauftragten wenden, dessen Nummer über den Zentralruf der Autoversicherer (s. Nützliche Adressen) erfragt werden kann.

Bearbeitungsfrist: maximal fünf Monate

Hat die Versicherung (noch) keinen Schadensregulierungsbeauftragten benannt,

  • kann das unfallgegnerische Fahrzeug oder das Versicherungsunternehmen nicht innerhalb von zwei Monaten nach dem Unfall ermittelt werden oder
  • erhält der Geschädigte innerhalb von drei Monaten nach Geltendmachung des Entschädigungsanspruch keine mit Gründen versehene Antwort des Unternehmens oder des Beauftragten, so kann der Geschädigte sich an die nationale "Entschädigungsstelle für Schäden aus Auslandsunfällen" wenden und seine Schadensersatzansprüche dort geltend machen. Diese Entschädigungsstelle muss innerhalb einer Frist von zwei Monaten tätig werden. In Deutschland ist dies der Verein Verkehrsopferhilfe (s. nützliche Adressen).

 

Ein Antrag auf Entschädigung durch die Entschädigungsstelle ist aber nicht mehr zulässig, wenn Sie bereits unmittelbar gegen das Unternehmen gerichtliche Schritte eingeleitet haben.

Wenn der Unfallverursacher unbekannt oder nicht versichert ist oder seine Versicherung ganz oder teilweise zahlungsunfähig ist und Sie in Frankreich Ihren Hauptwohnsitz haben zugelassen ist, können Sie sich an den französische Verkehrsunfallgarantiefonds (Fonds de Garantie Automobile, s. nützliche Adressen) wenden.

Wenn der Unfallverursacher zwar bekannt, aber nicht versichert ist, springt in Frankreich ebenfalls der Fonds de Garantie Automobile ein und zwar auch dann, wenn der Unfallverursacher unbekannt ist und das Opfer verletzungsbedingte Schäden davonträgt. Zur Anrufung dieses Fonds sollten Sie einen Rechtsanwalt einschalten. Die Regulierung materieller Schäden ist bei unbekanntem Unfallverursacher nur dann möglich, wenn es mindestens einen Verletzten gab.

 

Geltungsbereich

Die 4. Kraftfahrzeughaftpflichtrichtlinie gilt ab ihrer Umsetzung in den Mitgliedstaaten der EU. Auch Island, Norwegen, Liechtenstein und der Schweiz haben sich dem System angeschlossen.

Achtung: Nicht durch die genannte Richtlinie vereinheitlicht werden die in den genannten Ländern geltenden Verkehrsregeln und die Höhe eines möglichen Schadensersatzanspruchs. So werden beispielsweise nach französischem Recht - anders als in Deutschland - i.d.R. weder die Anwaltskosten noch die durch den Unfallschaden eingetretene Wertminderung (der sog. merkantile Minderwert) ersetzt.

Holen Sie vor Anmietung eines Mietwagens die Zusage der gegnerischen Versicherung (in Frankreich) ein. Normalerweise wird die anerkannte Dauer des Stillstands Ihres Fahrzeugs bis zur Reparatur vom Gutachter festgelegt. Sie müssen in jedem Fall den Beweis dafür erbringen, dass Sie auf einen Leihwagen angewiesen sind (z. B. für den Weg zur Arbeit).

Was die Übernahme der Abschleppkosten angeht, so werden nur die unbedingt notwendigen Kosten übernommen, d. h. der Transport Ihres Fahrzeugs vom Unfallort zur nächstgelegenen Vertragswerkstatt.

Die Versicherung Ihres (schuldhaften) Unfallgegners muss Ihnen innerhalb von acht Monaten nach dem Unfall ein Schmerzensgeldangebot vorlegen. Bei Nichteinhaltung dieser Frist kommen auf die Versicherung Kosten zu.

Die Überweisung des Schmerzensgeldes erfolgt spätestens 45 Tage nach Ihrer Einverständniserklärung. Verweigern Sie Ihr Einverständnis, können sie von der Versicherung ein neues Angebot verlangen oder den Rechtsweg einschlagen.

In Frankreich:

BCF

Bureau Central Français des Sociétés d'Assurances contre les Accidents d'Automobiles

1, rue Jules Lefebvre

75431 Paris Cedex 09

Tel.: 00 33 (0)1 53 21 50 80

Fax: 00 33 (0)1 53 21 51 05

Internet: www.bcf.asso.fr

E-Mail : bcf.courrier@bcf.asso.fr

 

Fonds de Garantie Automobile

64, rue Defrance

94682 Vincennes Cedex

Tel.: 00 33 (0)1 43 98 77 00

Fax: 00 33 (0)1 43 65 46 38

 

39, Boulevard Vincent-Delpuech

13255 Marseille Cedex 06

Tel.: 00 33 (0)4 91 83 27 27

Fax: 00 33 (0)4 91 79 58 38

 

Internet: www.fga.fr

E-mail: contact@fga.fr

 

FFSA

Fédération française des sociétés d'assurances

26, boulevard Haussmann

75311 Paris - Cedex 09

Tel.: 00 33 (0)1 42 47 90 00

Internet: www.ffsa.fr

 

AGIRA

Association pour la Gestion des Informations sur le Risque en Assurance

 

1, rue Jules Lefebvre

75431 Paris Cedex 09

Internet: www.agira.asso.fr

E-Mail: agira@agira.asso.fr

 

 

In Deutschland:

 

Deutsches Büro Grüne Karte

Wilhelmstraße 43/43G

10117 Berlin

Tel.: 0049 (0)30 / 20205757

Fax: 0049 (0)30 / 20206757

 

Internet: www.gruene-karte.de

E-mail: dbgk@gruene-karte.de (allgemeine Anfragen)

claims@gruene-karte.de (Meldung von Schadensfällen)

 

Verein Verkehrsopferhilfe e.V.

Postfach 10 65 08

D - 20044 Hamburg

Tel.: 0049 (0)30 / 20205000

Fax: 0049 (0)30 /20205722

 

Internet: www.verkehrsopferhilfe.de

E-mail: voh@verkehrsopferhilfe.de

 

Zentralruf der Autoversicherer

Tel.: 0049 (0)180 / 25 0 26 (6 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, max. 42 Cent pro Minute aus den Mobilfunknetzen)

Internet : www.zentralruf.de

Unfall im EU-Ausland: Wissen, was zu tun ist

Nach dem Autounfall einen kühlen Kopf bewahren und genau wissen, was zu tun ist? Das ist nicht einfach, erst recht nicht, wenn der Unfall im Ausland passiert. Die Broschüre Unfall im EU-Ausland informiert Sie über die notwendigen Schritte und gibt praktische Tipps.

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