Mit dem deutschen Schwerbehindertenausweis in Frankreich

Die Feststellung einer Schwerbehinderung und damit verbundene Rechte und Nachteilsausgleiche sind in jedem EU-Land unterschiedlich geregelt. Wer mit einem deutschen Schwerbehindertenausweis nach Frankreich reist, hat also nicht automatisch die gleichen Vergünstigungen wie in Deutschland. In diesem Artikel erhalten Verbraucherinnen und Verbraucher mit Schwerbehindertenausweis Tipps für die Reise nach Frankreich.

Stand: März 2019

Gilt mein Schwerbehindertenausweis in Frankreich?

Grundsätzlich gilt: Reisende sollten vor dem Aufenthalt im anderen Land oder vor Ort im Museum, Schwimmbad, Kino, beim Beförderungsunternehmen usw. nachfragen, ob dort bei Vorlage eines deutschen Schwerbehindertenausweises Vergünstigungen gewährt werden.

Die französische Eisenbahngesellschaft SNCF zum Beispiel erkennt in Deutschland ausgestellte Schwerbehindertenausweise nicht an. Sie gewährt also keine reduzierten Fahrpreise, auch nicht für Begleitpersonen.

Allerdings bietet die SNCF Menschen mit Handicap kostenlos an, sie am Bahnhof in Empfang zu nehmen und bis zu ihrem Sitzplatz zu begleiten. Diesen sogenannten „Accès Plus“-Service können Rollstuhlfahrer in Anspruch nehmen, die sich am Bahnhof melden, sowie Menschen mit einem blauen Behinderten-Parkausweis. Da der Parkausweise EU-weite Gültigkeit hat, spielt es hier keine Rolle, in welchem Land er ausgestellt worden ist. Auf seiner Internetseite stellt das Unternehmen weitere Informationen zum Service auf Deutsch zur Verfügung.

Die Museen der Stadt Straßburg gewähren jedem Besucher mit Schwerbehindertenausweis freien Eintritt. Egal, ob dieser in Frankreich, Deutschland oder einem anderen Land ausgestellt worden ist.

Fragen Sie beim zuständigen Versorgungsamt oder Landratsamt nach einer zusätzlichen Bescheinigung auf Englisch oder Französisch. Ein solches Dokument gibt Ihnen zwar keinen Rechtsanspruch, hilft aber gegen die Sprachbarriere. Ab 2015 ausgestellte Ausweise im „neuen“ Scheckkartenformat enthalten bereits Hinweise auf Englisch.

EU-Parkausweis für Personen mit Behinderung in Frankreich

Der blaue EU-Parkausweis für Personen mit Behinderung gilt EU-weit, allerdings herrschen in den Mitgliedsstaaten unterschiedliche Bestimmungen vor. Auf der Internetseite europa.eu können Sie sich über die jeweiligen Parkregelungen für Menschen mit Handicap informieren.

Frankreich hat Parkerleichterungen für Menschen mit Behinderung vorgesehen. Die genauen Bestimmungen sind von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Fragen Sie im Vorhinein oder vor Ort nach, ob und wo Sie kostenlos parken dürfen und für welche Dauer. In einigen Gegenden ist das Parken kostenlos, jedoch zeitlich begrenzt. Es kann sein, dass Sie mit dem Behinderten-Parkausweis hier zeitlich unbegrenzt lange stehen bleiben dürfen.

EU-Behindertenausweis: Deutschland und Frankreich sind nicht dabei

Zwischen den Ländern der EU gibt es bisher keine Regelung zur gegenseitigen Anerkennung der nationalen Schwerbehindertenausweise. Zwar wurde 2016 ein Pilotprojekt für einen EU-weiten Behindertenausweis begonnen, allerdings sind bisher nur acht Nationen beteiligt. Deutschland und Frankreich sind nicht dabei.

Dauerhaft in Frankreich bleiben: Eine französische Carte mobilité inclusion beantragen

EU-Bürger mit Wohnsitz in Frankreich haben die Möglichkeit, den französischen Schwerbehindertenausweis Carte mobilité inclusion (CMI) kostenlos bei der französischen Behörde Maison départemental des Personnes Handicapées (MDPH) zu beantragen. Unterschieden wird in drei Kategorien:

  • die CMI priorité, mit der man zum Beispiel einen Sitzplatz im Bus bekommt oder andere in einer Warteschlange überholen darf
  • die CMI invalidité, mit der man zum Beispiel Vergünstigungen für den öffentlichen Nahverkehr erhält

Mehr Informationen zur CMI auf Französisch stellt die französische Verwaltung auf der Seite Service-Public.fr zur Verfügung.

Der EU-Parkausweis für Menschen mit Behinderung. Bild: muenchen.de
Die französische Karte "CMI de stationnement". Bild: handicap.gouv.fr
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