"Anti-Wegwerf"-Gesetz in Frankreich

Ein neu in Frankreich verabschiedetes Gesetz sagt der Ressourcenverschwendung den Kampf an. Ob stufenweise Abschaffung von Einwegplastik oder Kassenbons - das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz e.V. (ZEV) verschafft einen Überblick darüber, was sich im Nachbarland für Verbraucher ändert.

Stand der Informationen: Februar 2020

Abschaffung des Einwegplastiks

Die französische Regierung möchte Einwegverpackungen aus Plastik bis 2040 stufenweise verbieten – von der Plastikflasche, Verpackungen von Zahnpasta bis hin zum Plastikschälchen für den Fertigsalat. Seit dem 1. Januar 2020 ist es bereits nicht mehr möglich Einwegbecher, Teller oder Wattestäbchen aus Plastik in französischen Supermärkten zu kaufen. Im kommenden Jahr sollen Strohhalme, Kunststoffbesteck, Plastik-Konfetti usw. aus den Regalen verschwinden. Ab 2023 sollen Fast-Food Restaurants kein Wegwerfgeschirr mehr verteilen dürfen, wenn die Verbraucher vor Ort essen.

Produktkennzeichnung mit dem Logo „Triman"

Informationen für ein nachhaltigeres Konsumverhalten

Neue Kennzeichnungen sollen Verbraucher informieren, wie nachhaltig ein Produkt produziert wurde, d. h. ob es aus recycelten Materialien hergestellt wurde, ob überflüssige Verpackungen verwendet wurden oder inwieweit das Produkt z. B. repariert werden kann. So soll etwa ab 2021 ein Index von 1 bis 10 darüber Auskunft geben, mit wieviel Arbeitsaufwand die Reparatur eines elektronischen Produktes verbunden ist. Zudem sollen Verbraucher beim Kauf in Kenntnis darüber gesetzt werden, ob die Möglichkeit besteht, Ersatzteile für das jeweilige Produkt zu kaufen. Das sogenannte Triman-Logo wird durch das Gesetz ab 2021 ebenfalls verpflichtend. Es zeigt an, wie ein Produkt recycelt werden muss.

 

Keine Kassenbons ab 2023

Während Deutschland eine Bonpflicht eingeführt hat, sollen in Frankreich die Papierbelege stufenweise gänzlich abgeschafft werden. Ab 2023 dürfen Händler nicht mehr automatisch Kassenbons drucken und ausstellen – fragt der Kunde nach einem Papierbeleg, muss er diesen jedoch auch erhalten.

Pfand für Plastikflaschen - nicht vor 2023

Ursprünglich bestand die Idee, in Frankreich ähnlich wie in Deutschland ein Pfandsystem für Plastikflaschen einzuführen. 2019 hat die Staatssekretärin Brune Poirson die Stadt Kehl besucht, um sich die Funktionsweise des deutschen Pfandsystems anzuschauen. Nach hitzigen Debatten wurde auf diese Möglichkeit jedoch fallen gelassen – französische Gebietskörperschaften können jetzt selber entscheiden, wie sie die Rücknahme von Plastikflaschen verbessern. Sollte bis 2023 keine Verbesserung eingetreten seien, behält sich der französische Gesetzgeber eine verpflichtende Einführung eines Pfandsystems jedoch vor. Zusätzlich wurde anvisiert, den Verkauf von Einweggetränkeplastikflaschen bis 2030 um 50% zu reduzieren.

Unverkauftes spenden, anstatt es zu zerstören

Jährlich werden allein in Frankreich Lebensmittel im Wert von 16 Milliarden Euro und Neuwaren im Wert von 630 Millionen Euro vernichtet. Die französische Regierung möchte dies eindämmen. Seit 2016 dürfen Größere französische Supermärkte nicht verkaufte Lebensmittel nicht mehr sofort zerstören. Sie werden dazu angehalten, sie an soziale Einrichtungen zu spenden. Das neue Gesetz verschärft die Sanktionen für Händler, die diese Vorschriften missachten: Strafen bis zu 0.1% des Umsatzes können verhängt werden. Des Weiteren ist vorgesehen, dass unverkaufte Textilwaren und bestimmte Hygieneprodukte nicht mehr vernichtet, sondern entweder recycelt oder gespendet werden müssen.

Treibhausgase durch digitalen Konsum

Ab 2022 sollen Telefon- und Internetanbieter Verbraucher für Treibhausgase sensibilisieren, die durch digitalen Konsum entstehen.

 

 

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