Dringender Handlungsbedarf bei der Elementarschadenversicherung: Das ergab die Fachkonferenz in Berlin
Wie kann Deutschland einen flächendeckenden und bezahlbaren Versicherungsschutz gegen Elementarschäden erreichen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Fachkonferenz „Elementarschadenversicherung in Frankreich – Vorbild für Deutschland?“, die am 13. November in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund stattfand. Eingeladen zu dieser Veranstaltung hatten das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz (ZEV) und das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg. Mehr als hundert Teilnehmende aus Politik, Wissenschaft, Versicherungswirtschaft und Verbraucherschutz nahmen vor Ort in Berlin und online an der Konferenz zu diesem politisch höchst relevanten Thema teil.

Einen dringenden Handlungsbedarf beim Versicherungsschutz für Elementarschäden sieht Peter Hauk, Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, und fordert aus verbraucherpolitischer Sicht eine hohe Transparenz. Der erste Schritt zur Umsetzung des Koalitionsvertrags ist für Dr. Christian Meyer-Seitz, Abteilungsleiter beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, eine Anhörung der Stakeholder. Er möchte zudem sehen, welche Denkanstöße das französische System liefern kann.
Frankreich verfügt schließlich seit 1982 über ein funktionierendes und vor allem anpassungsfähiges System der Elementarschadenversicherung („CatNat-System“). Dieses wurde auf europäischer Ebene als rechtskonform bestätigt, wodurch laut der Caisse centrale de réassurance (CCR), dem französischen staatlichen Rückversicherer, die Möglichkeit bestehen würde, es in allen EU-Mitgliedstaaten anzuwenden. Eine Versicherungsdichte von 98 % und Kosten von nur durchschnittlich 42 Euro pro Jahr sind nur ein paar der Schlüsselzahlen, die der viertgrößte Versicherer Frankreichs, Aéma Groupe, bei der Fachkonferenz präsentiert, während er gleichzeitig auf den wirksamen Versicherungsschutz auch außerhalb von anerkannten Elementarschäden hinweist.
Johannes Rothenberger MdB sieht die Gespräche in der deutschen Politik noch ganz am Anfang, äußert allerdings Bedenken, dass der Staat bei einer zu geringen Versicherungsdichte immer noch einspringen müsste.
Zu dieser Situation könnte es für Stephen Rehmke vom Bund der Versicherten bei einer Opt-out-Lösung kommen. Wenn eine Elementarschadenversicherung zwar konsequent angeboten, aber von den Versicherungsnehmenden abgelehnt werden kann, schätzt er, dass mindestens 20 % der Haushalte sich dagegen entscheiden würden.
Auch für Dr. Johannes Fechner MdB wäre eine solche Ausstiegsmöglichkeit der falsche Weg. Für ihn liegt der große Vorteil des französischen Systems im einheitlichen Prozentsatz für den Elementarschadenschutz. Das spare viel Aufwand, insbesondere bei der Kontrolle. Er wünscht sich, noch in dieser Legislaturperiode eine Regelung zu verabschieden.
Der Versicherungsanalyst Dr. Carsten Zielke geht sogar noch einen Schritt weiter. Für ihn ist die Einführung eines ganzheitlichen Systems für Deutschland nicht nur notwendig, sondern auch die Voraussetzung für einen europäischen Zusammenhalt angesichts des Klimawandels.
Für das Einbringen genau dieser europäischen Perspektive bedankt sich Nadine Heselhaus MdB beim ZEV, zu dessen Aufgaben zusätzlich zum grenzüberschreitenden Verbraucherschutz auch die Identifikation sinnvoller Praxisbeispiele aus dem Nachbarland zählen.
Pressekontakt
Tina Hinault
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