
Damit Verbraucher in Europa mit diesen Fragen nicht allein gelassen werden und ihr Vertrauen in den Binnenmarkt gestärkt wird, hat die Europäische Kommission ein Netzwerk ins Leben gerufen. Der Name dieses Netzwerkes: European Consumer Centres Net, kurz ECC-Net, oder auf Deutsch: Netzwerk der Europäischen Verbraucherzentren. Es besteht in dieser Form seit 2005 und wird finanziert zum einen durch die EU-Kommission, zum anderen durch die jeweiligen Mitgliedstaaten. Inzwischen gibt es in allen 27 EU-Staaten sowie in Norwegen und Island mindestens ein Europäisches Verbraucherzentrum (zur Liste der Europäischen Verbraucherzentren).
Hier findet der Verbraucher nicht nur Informationen zu seinen Rechten in Europa, sondern erhält auch Beratung beim Streit mit einem Anbieter aus dem EU-Ausland. Um diese grenzüberschreitenden Streitfälle außergerichtlich beizulegen, arbeiten die Juristen mit ihren Kollegen in den 27 EU-Staaten sowie in Norwegen und Island eng zusammen.
In Kehl ist das EVZ Deutschland gemeinsam mit dem EVZ Frankreich unter dem Dach des deutsch-französischen Zentrums für Europäischen Verbraucherschutz e.V. angesiedelt – die einzige binationale Einrichtung des Netzwerkes. Hier wurden 2011 über 50 % aller Fälle des Netzwerkes bearbeitet. Besonders häufig sind dabei deutsch-französische Fälle: Knapp ein Drittel aller Beschwerden von französischen Verbrauchern richteten sich gegen deutsche Unternehmen. Dank der engen Zusammenarbeit zwischen den Europäischen Verbraucherzentren Deutschland und Frankreich unter dem Dach des ZEV konnten diese Fälle besonders schnell gelöst werden.
Der typische Ablauf eines Falles im ECC-Net: Ein Verbraucher kommt bei einem Problem mit dem Händler selbst nicht weiter und wendet sich an das EVZ seines Landes. Die Juristen prüfen die Rechtslage und leiten den Fall an das EVZ des Landes weiter, in dem der Händler seinen Sitz hat. Findet das dortige EVZ mit dem Händler eine Lösung, kann der Fall außergerichtlich und kostenlos für beide Parteien beigelegt werden.
Daneben sammeln die EVZ Informationen über aktuelle Verbraucherprobleme und bereiten diese für statistische und politische Zwecke auf. Sie führen vergleichende Rechtsanalysen und länderübergreifende Studien zu verschiedenen Verbraucherthemen durch und leiten die Ergebnisse an die Gesetzgeber und nationalen Durchsetzungsbehörden weiter.